C wie Chamäleon. Schon so oft habe ich den Anfangsbuchstaben meines Namens mit diesem Tier verbunden. Dass ich aber mal einen ganzen Text darüber schreiben werde, dass ich auch in meinem Wesen irgendwie wie ein Chamäleon bin, mich nämlich je nach Kontext und Umgebung anpasse, das hätte ich nicht gedacht.
Kategorie: Zwischen Menschen
„War doch nur ein Kompliment“ 💩
Ich erfahre schon mein Leben lang, was es heißt, eine Frau in dieser Welt zu sein. Trotzdem waren mir Begriffe wie „Feminismus“, „Sexismus“, „Patriarchat“ und vor allem das Verständnis dafür, was dahinter steckt, sehr lange fremd. Doch je älter ich werde und je mehr Wissen ich jetzt darüber habe, desto mehr verstehe ich, was ich früher nicht verstanden habe. Was sich zwar schon immer mit einem beklemmenden Alarm-Gefühl in mir geäußert hat, für das ich aber keine Worte und erst recht keine Erklärung hatte. Und je mehr ich jetzt zuordnen kann, desto geschockter und ängstlicher bin ich. Vor allem aber bin ich wütend.
Die unerträgliche Ungleichung eines „Für immer“
Ich denke nur selten über meine Zukunft nach. Ich gehe step by step und das ist gut so. Wenn es dann aber doch mal passiert, drehe ich meistens total durch. Panisch sehe ich dann worst-case-Szenarien meines 40-jährigen Ichs vor Augen: Eine einsame, zutiefst gelangweilte Frau mit einer spießigen Schürze in der spießigen Küche eines spießigen Hauses einer spießigen Neubausiedlung. Und auch wenn ich eigentlich darauf vertraue, dass mich mein Abenteuerdurst davor bewahren wird, jemals ein solches Spießigkeits-Level zu erreichen, bleibt immer die latente Angst davor, eines Morgens aufzuwachen, mich urplötzlich in einem bürgerlichen Leben wiederzufinden und nur noch zu stagnieren.
Gossip aus der Dorfgruppe
Ahh, die bayerische Dorfidylle: Weite Felder und Wiesen, enge Gassen und kleine Kirchen, eine eingeschworene, familiäre Landgemeinde. So in etwa kann man sich auch mein Heimatdorf vorstellen, das ich vor mittlerweile fast sechs Jahren verlassen habe. Was passiert aber, wenn etwas komplett Unerwartetes, Unvorstellbares, Unerhörtes das eingespielte Dorfleben stört?
Gedanken einer „relationship virgin“
Als ich in der zehnten Klasse war, schloss ich eine Wette mit meiner damaligen Banknachbarin ab: Diejenige von uns beiden, die als erste eine Beziehung haben würde, müsste der anderen eine Flasche Malibu ausgeben. Bald darauf kam meine Banknachbarin tatsächlich mit ihrem Nebenjob-Kollegen zusammen. Ich weiß nicht, ob ich besagten Wetteinsatz je bekommen habe. Falls nicht, könnte ich heute auch gut darauf verzichten. Malibu trinke ich nicht mehr – in einer Beziehung war ich immer noch nicht.
Dazwischen-Dasein: Leben als Sandwichkind
Ich habe drei Schwestern: zwei jüngere und eine ältere. Ich bin also in der Mitte und damit eins von zwei Sandwichkindern der Familie. Sandwichkindern wird vieles nachgesagt: Tun sich schwer, ihre Rolle zu finden. Harmoniebedürftige Vermittler:innen. Stark auf Bestätigung angewiesen. Natürlich trifft all das nicht auf jede:n zu. Aber ich glaube, dass in meinem Fall die Geschwisterposition auf jeden Fall meine Persönlichkeitsentwicklung geprägt hat.
How to: Freund:innen finden
Als Kleinkind bin ich easypeasy auf andere Kinder zugegangen und habe sie mit zwei Sätzen zu meinen besten Freund:innen gemacht. Jahre später hatte ich diesen Mut irgendwie verloren und mich lange schwer getan, Freund:innenschaften zu schließen. Doch tatsächlich hilft ein bisschen kindlicher Mut weiter.
Eine Ode an die Herzen Palästinas
Es regnet. Ich stehe mit einem menschengroßen Rucksack vor der israelischen Sperranlage, direkt am Checkpoint zwischen Israel und der besetzten palästinensischen Westbank. Mitten auf der Straße, zwischen 10.000 hupenden Autos, LKW’s, Soldaten und Lautsprecherdurchsagen in einer Sprache, die ich nicht verstehe. Wie ich dort gelandet bin? Das ist eine andere Geschichte. Tatsache ist: Ich habe wirklich nicht den Hauch einer Ahnung wo ich bin, geschweige denn wie ich nach Ramallah komme. Ich bin übermüdet, hungrig, zittrig. Ich bin die zu Leib gewordene Definition von Überforderung.
Vom Anfang und Ende der Einsamkeit
Lange Zeit war ich überzeugt davon, dass man Freund:innen einfach hat – die werden einem schon im Kindergarten wie Sand an den Strand gespült und bleiben dann auch für immer da liegen. Plot Twist: Weder Strände noch Freundschaften funktionieren so. Und es gibt Phasen im Leben, da ist man plötzlich nicht mehr auf jede Party eingeladen – und deswegen noch lange kein:e sozial inkompetente:r Einzelgänger:in.
Hey, ich bin’s, eine kleine People-Pleaserin
Ich bin eine Ja-Sagerin. Oder aber eine verzweifelte Absagerin. Selten aber eine, die ihre Meinung und Bedürfnisse ehrlich kommunizieren kann – aus Angst, mit anderen anzuecken. Und das will ich ändern.