Fuck you M. – die Nachwehen eines Alptraum-Dates

Die Wochen danach waren scheiße. Ich hatte ein komplettes Dating-Trauma und immer wieder kurze Flashbacks von seinem nackten Körper vor Augen. Ich bin jedem männlichen Blick, jedem menschlichen Lächeln gewichen. Hab mich unwohl auf der Straße gefühlt, immer auf den Boden geschaut. So kannte ich mich nicht. Hatte riesige Angst ihm zu begegnen, ne Panik Attacke bei Rewe und hab überlegt umzuziehen (keine Ahnung wie das möglich ist, aber natürlich wohnt dieser Mensch – in einer 1Millionen Einwohner Stadt – in meiner Straße). Die ganze Zeit spielte sich in meinem Kopf ab „Warum bist du nicht früher gegangen? Warum bist du nicht früher gegangen?“

You got the best of both worlds?

In meiner Traumvorstellung hat ein Morgen mehr Stunden zum Ausschlafen. Ein Sommertag mehr Sonnenstrahlen. Ein Wochenende mehr lange Nächte. Und eine Woche mehr als 7 Tage. Der August hat mehr als nur 4 Wochenenden. Und der Sommer mehr als 40 warme Abende. Dann würde ich nicht mehr in diesem kräftezehrenden Konflikt feststecken, in dem ich mich zwischen People-Time und Me-Time entscheiden muss. Und in dem ich gerade nur am verlieren bin.

Let’s talk about (…) baby

Wo in aller Welt sind die Penis-Influencer*innen, die mit allen teilen, dass auch sie Komplexe haben? Dass man Sexualpartner*innen auch mit „kleinem“ Penis zum Orgasmus bringen kann? Wo sind die Memes über tighte, unbequeme Boxer-Shorts und den ewigen Struggle zwischen „Ich hätte ja schon gerne Mal einen Prostata-Orgasmus, aber komm mir ja nicht in die Nähe meines Arschs“? Und wo zum Teufel sind die Social Media-Ratgeber, die Frauen erklären, wie sie mit all diesen Dingen umgehen können?

Summ summ summ, ich bumble hier herum

Als Frau in einer Beziehung war ich immer ganz hyped darauf, die Dating-Apps meiner Freundinnen für sie zu benutzen. Ein bisschen swipen, Profile anschauen, anerkennend nicken, sich darüber aufregen, wie oberflächlich man auf einmal wird, irgendwelche Typen in ihrem Namen anschreiben, bescheuerte Gespräche führen: reines Entertainment. Seitdem ich Single bin, habe ich mich erfolgreich davon ferngehalten. Doch dann kam ein Montagabend…

Boys do*nt* Cry

Nevertheless: Die Frage hat mich nicht losgelassen. Zu viele weiße hetero Cis-Männer in meinem Umfeld, die unter den Rollenzuschreibungen der Gesellschaft leiden. Und genau dieses Problem ist ein riesiger Bestandteil ihrer alltäglichen Lebensrealitäten. Und ein genauso unterschwelliges wie verdrängtes Problem dieser Gesellschaft. Das ständige Sich Behaupten Müssen – als Mann, als Starker, als Großer, Breiter und Bärtiger, als GroßPenisiger, als Mutiger und Beschützer – befeuert das eigentliche Problem: Toxische Männlichkeit.

Was ist mein Happy Place?

Ein Wohlfühlort, oder ein sogenannter Happy Place. Es gibt zig Anleitungen im Internet, wie man zu diesem (imaginären) Ort kommt. Der einem Geborgenheit, Glück, Zufriedenheit, Ruhe etc. etc. gibt. Ich war mal mit einer Freundin in einem Spa, wo wir uns auf so eine geführte Reise zum Happy Place begeben haben. Zugegebenermaßen: Ich war 18 und habe mich wahrscheinlich auch nicht zu 100% auf das Ganze eingelassen. Ich habe auf jeden Fall keinen Happy Place gefunden.

Ein Gefühl von Zuhause

Meine Generation – frei wie Vögel, immer auf der Suche nach neuen Nestern. Selten bleiben wir an einem Ort länger als ein paar Jahre. Spätestens zum Studium sind wir ausgezogen und immer wieder umgezogen. Dabei nehmen wir neue und alte Freundschaften, Liebesbeziehungen und Familie immer irgendwie in unseren Herzen mit. Weil Zuhause für uns nicht nur ein Ort ist.