„War doch nur ein Kompliment“ 💩

Ich erfahre schon mein Leben lang, was es heißt, eine Frau in dieser Welt zu sein. Trotzdem waren mir Begriffe wie „Feminismus“, „Sexismus“, „Patriarchat“ und vor allem das Verständnis dafür, was dahinter steckt, sehr lange fremd. Doch je älter ich werde und je mehr Wissen ich jetzt darüber habe, desto mehr verstehe ich, was ich früher nicht verstanden habe. Was sich zwar schon immer mit einem beklemmenden Alarm-Gefühl in mir geäußert hat, für das ich aber keine Worte und erst recht keine Erklärung hatte. Und je mehr ich jetzt zuordnen kann, desto geschockter und ängstlicher bin ich. Vor allem aber bin ich wütend.

Die Suche nach dem Erwachsenwerden

Als Kind habe ich gedacht, dass irgendwann in meinem Leben sowas wie ein Kipppunkt kommt, an dem ich mich urplötzlich ganz doll erwachsen fühle. Verortet habe ich diesen magic moment irgendwo an den Anfang meiner Zwanziger. Mittlerweile bin ich Mitte 20. Und surprise: gekippt ist da immer noch nichts. Und langsam beschleicht mich das Gefühl, dass ich vielleicht mal meine Vorstellung vom Erwachsensein überdenken sollte. 

Was ich heute kann besorgen, verschieb ich halt auf morgen

Müll runterbringen? Klamotten aufräumen? Abspülen? MaCh IcH sPäTer! Wenn mir ein Ruf anlastet, dann ist es mein Aufschieben von Dingen und meine daraus resultierende Unordentlichkeit. Dabei fühle ich mich im Chaos eigentlich gar nicht wohl. Das Problem ist vor allem mein inneres Faultier, das mich daran hindert, den ganzen nervigen Scheiß zu erledigen. Doch ich bin drauf und dran, diesen Ruf endlich loszuwerden.

Das ewige Trauerspiel vom Entscheidungen fällen

Ich bin überdurchschnittlich schlecht darin, Alltags-Entscheidungen zu treffen. Ich komme einfach nicht klar in diesem Meer an Möglichkeiten: Mate oder Cola? Ähmmmm. Pils oder Kölsch? Ist mir egal. Parkbank oder Wiese? Muss ich erst mal abwägen. Sushi, Pizza oder Thai? ICH HAB VERDAMMT NOCHMAL KEINE AHNUNG, WAS ICH MÖCHTE. 

An dieser Stelle eine Weisheit aus Alex ’ wertvoller Sprüche-Sammlung: „Alle unwichtigen Entscheidungen im Leben sollten einer Münze überlassen werden!“ Und ich muss sagen, ich lebe tatsächlich nach diesem Motto. Oder: Ich greife im Kiosk einfach zu dem Getränk, das meine Begleitung auch nimmt, im Restaurant frage ich die Bedienung, was sie mir empfehlen kann, in der Eisdiele will ich von meiner Begleitung überrascht werden und in der Netflix-Welt ziehe ich mir einfach so lange imdb-Bewertungen rein, bis ich irgendwann müde den Laptop zuknalle.

Gedanken einer „relationship virgin“

Als ich in der zehnten Klasse war, schloss ich eine Wette mit meiner damaligen Banknachbarin ab: Diejenige von uns beiden, die als erste eine Beziehung haben würde, müsste der anderen eine Flasche Malibu ausgeben. Bald darauf kam meine Banknachbarin tatsächlich mit ihrem Nebenjob-Kollegen zusammen. Ich weiß nicht, ob ich besagten Wetteinsatz je bekommen habe. Falls nicht, könnte ich heute auch gut darauf verzichten. Malibu trinke ich nicht mehr – in einer Beziehung war ich immer noch nicht.

Tik tak, tik tak, die Zeit ist knapp

Je älter man wird, desto schneller vergeht die Zeit. Ein Satz, den ich lange für eine ausgelutschte Erwachsenen-Phrase gehalten habe. Dass so manche Lebensweisheit mehr mit der Realität zu tun hat als das Latte Macchiato-Wand-Tattoo von Moni, ist mir irgendwie in den letzten Monaten besonders aufgefallen. Deswegen habe ich mal ein bisschen in mich reingehört, um herauszufinden, ob die Uhr da wirklich plötzlich schneller tickt.

Zwischen Selfcare und Ekstase

Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christkind, sondern bei vielen Menschen der ewig gleiche Vorsatz: gesünder leben! Auch ich nehme mir Jahr für Jahr vor, auf der einen oder anderen Party weniger zu tanzen und Leber und Lunge an den Wochenenden ein bisschen pfleglicher zu behandeln. Da gibt es nur einen klitzekleinen Haken, der mir dieses Vorhaben immer wieder versaut: meine Liebe zur Ekstase.

Vom Erleben und Verarbeiten

Ich bin mittlerweile seit vier Monaten in meinem Erasmus-Semester in Lettland. Bisher kann ich mir wirklich nicht vorwerfen, die Zeit hier nicht in vollen Zügen zu nutzen und alle Möglichkeiten, die sich mir irgendwie bieten, mitzunehmen. Manchmal bleibt dann nur ein bisschen wenig Zeit, den Haufen an neuen Eindrücken auch zu verarbeiten.

Vom Anfang und Ende der Einsamkeit

Lange Zeit war ich überzeugt davon, dass man Freund:innen einfach hat – die werden einem schon im Kindergarten wie Sand an den Strand gespült und bleiben dann auch für immer da liegen. Plot Twist: Weder Strände noch Freundschaften funktionieren so. Und es gibt Phasen im Leben, da ist man plötzlich nicht mehr auf jede Party eingeladen – und deswegen noch lange kein:e sozial inkompetente:r Einzelgänger:in. 

Die Realität von BeReal

Push-Benachrichtigungen auf unseren Smartphones können einiges in uns auslösen. Sagt uns die ZDF-heute-App, dass das UK mal wieder einen neuen Prime Minister hat, scrollen wir durch den zugehörigen Artikel. Teilt uns Bumble mit, wie beliebt wir angeblich in unserer Umgebung sind, wird natürlich sofort ein bisschen geswiped. Und sagt uns diese eine „neue“ App, dass es „Zeit für BeReal“ ist – sind wir dann wirklich real?