What a year…

Neulich habe ich mit einem Freund darüber gesprochen, wie froh ich bin, dass sich dieses Jahr endlich dem Ende neigt. Ich glaube, es ging mir selten in einem Jahr so beschissen wie in diesem. Und trotzdem, so viele schlechte Momente es auch gab – irgendwie war es doch eines der wichtigsten Jahre. Ein kurzer Recap.


Das Jahr fing ganz fantastisch an. Mit vielen meiner Freund:innen bin ich auf einer Dachterrasse mitten in Berlin Charlottenburg ins Jahr 2022 reingeschlittert – ohne zu wissen, was auf mich zukommen würde. (Eigentlich auch mehr als logisch.) Ich hatte einen wundervollen Geburtstag und das erste Karneval in Köln (als Zebra). Ich feierte das erste Mal die ganzen Geburtstage meiner Kölner Freund:innen. Es wurde schon einfach viel gefeiert – da habe ich gar nicht gemerkt, dass etwas nicht stimmt. 

Hoppala, wo ist die lustige Cilli hin

Als ich mich dann getrennt habe, ging’s mir erstmal… naja… sagen wir mal… beschissen. Angefangen mit Einschlafproblemen über zu viele Gedanken, die mich wochenlang gar nicht haben schlafen lassen, bis hin zu körperlicher Erschöpfung (mein Bett war ein treuer Freund dieses Jahr). Ich konnte auch auf die Frage, wie’s mir geht nicht mit dem standardmäßigen „Ach ja ganz gut“ antworten. Keine Chance. Da hätte ich häufig am liebsten gesagt: „Scheiße. Ich würde gerade am liebsten jemanden schlagen.“  Natürlich macht man das dann nicht. Aber ich habe gelernt, dass es mir nicht immer gut gehen muss, dass es auch okay ist, wenn ich mal nicht funktioniere, nicht die allzeit gut gelaunte Cilli bin. 

Schwierig war (und ist es auch manchmal immer noch) für mich, dass viele meiner Freundschaften durch meinen Umzug nach Köln jetzt Fernfreundschaften sind. Besonders mit meinen besten Freundinnen habe ich deswegen viel telefoniert. Wenn es mir gut ging, habe ich einfach die Momente hier in Köln genossen. An schlechten Tagen habe ich dann doch den Kontakt zu meinen besten Freundinnen gesucht, die weit weg sind. Auch nicht immer leicht, wenn man nur anruft, wenn es einem schlecht geht. Irgendwann habe ich mich so mies deswegen gefühlt, dass ich zum Teil einfach gar nicht mehr angerufen habe – auch nicht die richtige Lösung. Keine Empfehlung meinerseits! Ich hatte und habe das große Glück, dass sie mich nicht in Ruhe gelassen haben, sich regelmäßig gemeldet haben und mich haben spüren lassen, dass sie auch die traurige Cilli liebhaben. Und wenn wir uns gesehen haben, haben sie mich nie wie ein rohes Ei behandelt – auch ganz wichtig! Ein Danke geht hier mal eben raus!

Alte Beziehungen… 

Meine Mama und ich hatten schon immer eine gute Beziehung, aber dieses Jahr war sie eine der wichtigsten Personen für mich. Wir haben eine Zeitlang fast täglich telefoniert – über sinnvolle und sinnlose Dinge. Sie war immer für mich da, hat mir einfach zugehört. Ich rede jetzt ganz anders und offener mit ihr.

Manchmal hilft es anscheinend, zuzugeben, nicht immer die starke Person zu sein, die alles wegsteckt. Ich jedenfalls habe das Gefühl, dadurch generell sehr viel offener geworden zu sein. Meine Familie hat mir gezeigt, dass ich meistens nicht die Verantwortung für irgendwas trage, das ich mir selbst zuschreibe. Es ist okay, wenn ich nicht immer die lustige Tante bin, die irgendwelchen Spökes macht – umso schöner, wenn ich es tue. Ich hätte mir vor einem Jahr im Leben nicht vorstellen können, dass ich mit meinen Geschwistern und Eltern zusammensitze und alle für mich bumbeln. Und das nicht nur, weil ich damals noch in einer Beziehung war.

… und neue

Aus einem nächtlichen Weg nach Hause, der mit einer Spielplatzpause den Höhepunkt erreichte, einer neuen Mitbewohnerin, virtuellen Kaffeedates mit Kolleginnen und einer betrunkenen Knutscherei sind richtig gute Freundschaften geworden. Menschen, die ich niemals auf so eine Art kennengelernt hätte, wäre ich nicht in diesem seltsamen Schwebezustand gewesen. Ich habe Umarmungen von meinem Mitbewohner bekommen, wenn ich mal eine gebraucht habe. Freundschaften sind wieder aufgelebt, andere vielleicht eingeschlafen. Auch das ist okay. 

Dadurch, dass ich meine Gefühlswelt weder vor mir noch vor anderen verstecken konnte, kann ich jetzt ganz anders über Dinge sprechen, die mich beschäftigen. Jedenfalls meistens.

Und dann gibt’s hier noch so fünf Frauen, die jeden Tag für mich da waren. Die nach der Uni alle zu mir gekommen sind, meinen Kleiderschrank aufgebaut und mich zum Lachen und Weinen gebracht haben. Die mir zugehört, aber auch die Meinung gesagt haben. Die mich ermutigt haben, ins (Online-)Datingleben einzusteigen, es wieder sein zu lassen, als es mir nicht getaugt hat und einfach oft mit mir uebermütig waren – hehe.

NRQ4

Ende August gab’s dann einen Klickmoment und ich bin fröhlich und wie ein neuer Mensch ins (mir von einer Freundin auferlegte) NRQ4 gestartet. No regrets Quartal 4 – ganz wunderbar. Ich bin Sachen irgendwie anders angegangen. Habe mir wirklich vorgenommen, einfach mal zu machen, nicht alles 1000 Jahre zu überdenken und getroffene Entscheidungen nicht zu bereuen. In 90% der Fälle läuft das wirklich gut. Vielleicht sogar in 95%. 

Wenn ich jetzt also an dieses beschissene 2022 so zurückdenke, muss ich sagen, dass es ein ziemlich wildes Jahr war. Und das finde ich gut. Vieles hat sich verändert.  Manchmal kann es hilfreich sein, nicht zu funktionieren. Dann fällt erst auf, dass das Leben trotzdem weitergeht und (vielleicht gerade deshalb) auch schöne Momente entstehen. Kontrolle abgeben – eigentlich nicht so mein Ding, aber diesmal (ungewollt) sehr hilfreich! No regrets.

Klar, dass ab dem 1.1.2023 nicht alles ganz anders ist, aber ich kann’s ja mal versuchen. Dann kommt hoffentlich BC4EADRABCITC-Q1! Und mit diesem Rätsel entlasse ich uns jetzt alle in die Feiertage. Ich melde mich dann wieder aus Q1. 


Von Cilli (25): Cilli gibt gerne Blödsinn von sich. Deshalb sind auch hier die ein oder anderen Texte mit ihrer zynischen Ironie gespickt, die uns alle immer wieder zum Lachen und Nachdenken bringt (“war das jetzt ernst gemeint?”). Sie ist außerdem eine wunderbare Zuhörerin, weshalb sie sich regelmäßig in die Lage anderer hineinversetzt und daraus einfühlsame Porträts zaubert.

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