Aperol und Ankerpunkte: Das Labyrinth der Vergesslichkeit

Ich konnte mir noch nie gut Dinge merken. Vieles schafft es gar nicht erst in mein Langzeitgedächtnis. Aber ich merke deutlich, dass das Vergessen und gedankliche Abdriften bei mir in den letzten Jahren immer extremer geworden ist. Ich glaube, dass das etwas mit meinem Lebensstil zu tun hat: die ständige Konfrontation mit Reizen, wenig Beständigkeit, das Reinziehen von Social Media Content, der für eine extrem kurze Aufmerksamkeitsspanne konzipiert ist. Vor allem aber der übermäßige Konsum von Alkohol im Freundeskreis – gerade im Sommer.

KI-generiertes Bild von freepik

Warum mir die Skincare-Routine von Achtjährigen Angst macht

Wir haben auf dieser Erdkugel den Punkt erreicht, an dem achtjährige Mädchen auf TikTok für Faltencreme werben. Dass Social Media unrealistische Schönheitsideale verbreitet, ist schon lange nix Neues mehr – aber gefühlt wird es immer krasser und ich frage mich, wie weit das noch gehen soll. Gibt es bald an Bahnhaltestellen frei zugängliche Automaten mit Botox2go? Müssten wir nicht irgendwann mal an den Punkt kommen, an dem es nicht mehr weitergehen kann? 

„War doch nur ein Kompliment“ 💩

Ich erfahre schon mein Leben lang, was es heißt, eine Frau in dieser Welt zu sein. Trotzdem waren mir Begriffe wie „Feminismus“, „Sexismus“, „Patriarchat“ und vor allem das Verständnis dafür, was dahinter steckt, sehr lange fremd. Doch je älter ich werde und je mehr Wissen ich jetzt darüber habe, desto mehr verstehe ich, was ich früher nicht verstanden habe. Was sich zwar schon immer mit einem beklemmenden Alarm-Gefühl in mir geäußert hat, für das ich aber keine Worte und erst recht keine Erklärung hatte. Und je mehr ich jetzt zuordnen kann, desto geschockter und ängstlicher bin ich. Vor allem aber bin ich wütend.

Was ich heute kann besorgen, verschieb ich halt auf morgen

Müll runterbringen? Klamotten aufräumen? Abspülen? MaCh IcH sPäTer! Wenn mir ein Ruf anlastet, dann ist es mein Aufschieben von Dingen und meine daraus resultierende Unordentlichkeit. Dabei fühle ich mich im Chaos eigentlich gar nicht wohl. Das Problem ist vor allem mein inneres Faultier, das mich daran hindert, den ganzen nervigen Scheiß zu erledigen. Doch ich bin drauf und dran, diesen Ruf endlich loszuwerden.

Die Realität von BeReal

Push-Benachrichtigungen auf unseren Smartphones können einiges in uns auslösen. Sagt uns die ZDF-heute-App, dass das UK mal wieder einen neuen Prime Minister hat, scrollen wir durch den zugehörigen Artikel. Teilt uns Bumble mit, wie beliebt wir angeblich in unserer Umgebung sind, wird natürlich sofort ein bisschen geswiped. Und sagt uns diese eine „neue“ App, dass es „Zeit für BeReal“ ist – sind wir dann wirklich real?

Zwischen „Girls support Girls“ und „Nur eine kann Germany’s next Topmodel werden“

Ich bin eine Frau. Fühle mich wie eine Frau. Sehe aus wie eine Frau. Oder zumindest so, wie unsere Gesellschaft das Aussehen einer Frau eben stereotypisiert. Und obwohl doch damit alles geklärt zu sein scheint, frage ich mich immer öfter, was Frausein für mich bedeutet. Und immer öfter bin ich verwirrt, weil mir meine Umwelt so vielfältige und gleichzeitig so limitierte Frauenbilder präsentiert,  dass ich mich in diesem ständigen Widerspruch manchmal nicht mehr selbst finde.

Niemals genug?

Wie viele Menschen in meinem Alter verbringe ich jede Menge Zeit auf Instagram. Hier mal in der Bahn durch die Story einer Influencerin geswiped, da mal beim Abendessen durch den Feed meiner Nachbarin gescrollt. Das ist unterhaltsam und wunderbar ablenkend – tut mir allerdings oft alles andere als gut. Weil es durch unrealistische Schönheitsideale mein Selbstwertgefühl verfärbt.

Keine Promo für die FOMO – Warum man nicht immer überall dabei sein muss

Die einen haben’s mehr, die anderen weniger: die Angst, Dinge zu verpassen: die „Fear of Missing Out“ (FOMO). Ich hab sie. „Bloß nicht zu Hause bleiben, denn es könnte ja sein, dass meine Freund:innen den besten Abend der Welt erleben – und ich bin nicht dabei. KATASTROPHE“, schreit mich mein Hirn an, sobald ich mich alleine auf die Couch setze. Hirn, lass das mal bitte.

TikTok Trouble

Wir schreiben das Jahr 2020. Die ersten Frühlingstage liegen schon hinter uns, langsam wird es richtig warm. Wir alle glauben, uns an die Corona-Pandemie gewöhnt zu haben und hoffen, dass sie vielleicht sogar bald Geschichte ist (hahaha). Und so kommt es, dass ich an einem dieser schönen Frühlingstage einen Fehler begehe: Ich lade mir TikTok runter. 

Politisch perf(korr)ekt  

Zu Teenager-Zeiten wurde mir und meiner Generation vorgeworfen, dass wir politikverdrossen wären. Das scheint heute anders zu sein: Auf Instagram tauschen wir schon lange nicht mehr nur soziale Kontakte und bearbeitete Bilder aus. Es geht um Meinungen. Politik. Aktivismus. Eine Entwicklung, die viel Positives bewirkt hat und die mir trotzdem irgendwann zu heiß wurde.