Ich mag ja eigentlich den Herbst und Winter. Aber an Tagen, die grau, regnerisch und kalt sind, die Nachrichten nur von Krieg, Unwettern und rechter Hetze berichten und ich mich sonst nur mit meiner Masterarbeit beschäftige, habe ich manchmal einfach nicht die Kraft, mich auch noch mit irgendwas Intellektuellem wie Lesen zu beschäftigen. Dann fehlt mir einfach ein bisschen Leichtigkeit. Für manche ist es Trash-TV, aber leider gibt mir das nichts. Das ist mir noch zu nah an der “Realität”. Und so eine Realitätsflucht kann auch wirklich mal gut tun. Hier ein paar meiner Go-tos, wenn mal wieder alles grau und trist ist und man der wahren Welt entfliehen will.
Imagine: ein richtig frustrierender Tag. All day long habe ich mich ausschließlich mit anstrengenden Dingen beschäftigt. Nachrichten, Uni, Zukunftsplänen; das Aufregendste war noch der Aldi-Einkauf. Nicht, dass ich einfach nur abgefuckt von der Situation war, zusätzlich hab ich gefühlt auch nichts geschafft. Als ich abends meine Mitbewohnerin in der Küche getroffen habe, hat sie gefragt, was los ist und ob sie mir irgendwie helfen kann. Das Darüber-Sprechen war schon mal nicht schlecht. Der eigentliche Mood-Changer war aber, dass wir uns auf einmal in ihrem Bett befunden, zu Abend gegessen und Bibi und Tina geschaut haben. 20 Minuten war ich irgendwo auf Gut Szendrö – Angeberwissen: das Gut in Ungarn, wo Mikosch wohnt – und habe mich darüber amüsiert, dass man die Bösewichte wirklich unter GAR KEINEN UMSTÄNDEN erkennen konnte, weil sie ja ein Tuch über dem Mund getragen haben. Zum Glück hat Bibi dann am Ende eine Pipeline unterirdisch gehext – Alle Probleme gelöst. Super.
Bibi, Tina und meine Mitbewohnerin haben den Tag gerettet.
Kaffee und Kuchen ohne Aufräumen
Immer hilfreich: Kaffeedate im Café oder bei jemandem zuhause. Eine Freundin drückt dir eine Tasse mit einer wohlduftenden heißen Flüssigkeit in die Hand und sagt: „Weißt du Cilli, grundsätzlich ist das Leben auch eher scheiße, ABER…“ und dann hagelt es Yogi-Tee Affirmationen, Co-Star Analysen, Karottenkuchenrezeptideen, Geschichten über Heidi als Anime, Analysen über Männerkater (nein, nicht, wenn Männer Kater haben, sondern wenn man Kater von Männern hat) oder vielleicht doch Aktuelles aus der Bibi-und-Tina-Welt („Da kann man ja wirklich was lernen!“). Am Ende vom „Stündchen“, das dann doch eher drei angedauert hat, geht man beflügelt nach Hause, vollgepumpt mit Leichtigkeit, weil man nur Quatsch geredet hat.

Apropos Karottenkuchenrezeptideen: Backen und/oder Kochen hilft mir auch manchmal aus der Tristheit. Alleine oder mit jemandem zusammen. Einer meiner regelmäßigen Beschlüsse: Jetzt backe ich was! Erstmal brauche ich natürlich ein Rezept, denn ich will irgendwas Neues ausprobieren. Die nächsten (ungelogen!) Stunden verbringe ich damit, mich auf sämtlichen Koch- und/oder Backblogs herumzutreiben und alle meine Kochbücher akribisch nach DEM perfekten Rezept zu durchforsten. Ich würde behaupten, in 70 % der Fälle backe ich am Ende nichts, weil ich dann keine Zeit mehr habe. ABER meine Laune bessert sich dann trotzdem. Denn manchmal ist der Gedanke ans Backen schon ausreichend – außerdem muss ich dann nicht aufräumen.
Der Ernst des Lebens auf Quatsch
Auch ein ganz toller Tipp meinerseits: Nicht noch mehr Schwere aufladen. Cool, danke Cilli.
Das Thema Masterarbeit ist schon belastend genug. Erst wollte ich über einen (Anti-)Kriegsroman schreiben. Ein Thema, das ich zwar sehr spannend finde, aber ich hab mich gefragt: „Möchte ich mich wirklich drei lange Wintermonate mit der literarischen Erläuterung von Kriegsverbrechen beschäftigen?“.
Nein, möchte ich nicht. Stattdessen beschäftige ich mich jetzt mit Mädchenliteratur. Und wenn mich die Theorie nervt, weil es eigentlich mal wieder nur darum geht, wie den Frauen schon seit hunderten von Jahren irgendwas aufgezwungen wurde (😡), beschäftige ich mich einfach mit meinem Untersuchungsgegenstand: Die drei!!!. Ganz großartig. Es ist so stupide, dass ich richtig merke, wie sich meine Gehirnzellen entspannen, auch wenn ich mich ständig (zu Recht) darüber aufrege. „»Marie Grevenbroich, du bist süßer als Zitronensorbet!« Und Marie war dahingeschmolzen wie der letzte Rest Eis im Sonnenschein …“*
Also: sich einfach mal auf Ernst mit Quatsch beschäftigen.
I’ll be there for you
Auch immer gut ist, sich ins Bett oder auf die Couch zu kuscheln und einen Film oder eine Serie zu schauen, den/die man schon hundertmal gesehen hat, am besten mitsprechen und einfach abschalten kann. All time favourite bei Wind und Wetter: Friends.
Hier noch eine Liste mit absoluten Feel-Good Filmen, falls euch gerade vor lauter Regen nichts einfällt:
- Mamma Mia!
- Tatsächlich Liebe
- Burlesque (hat mir mein Leben gerettet, als ich Corona hatte)
- Bibi & Tina (1-3)
- Frontalknutschen
- Artur Weihnachtsmann
- Coco (nicht der Affe)
- Notting Hill
- Herkules
- LOL (aber die französische Version, versteht sich)
- Alles steht Kopf
- Mädchen Mädchen
- Die wilden Hühner
*Aus: „Die Drei !!!, Gefahr im alten Kino“ von Maja von Vogel.

Von Cilli (26): Cilli gibt gerne Blödsinn von sich. Deshalb sind auch hier die ein oder anderen Texte mit ihrer zynischen Ironie gespickt, die uns alle immer wieder zum Lachen und Nachdenken bringt (“war das jetzt ernst gemeint?”). Sie ist außerdem eine wunderbare Zuhörerin, weshalb sie sich regelmäßig in die Lage anderer hineinversetzt und daraus einfühlsame Porträts zaubert. Und gerne Bibi und Tina hört/guckt.
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