Was ist mein Happy Place?

Ein Wohlfühlort, oder ein sogenannter Happy Place. Es gibt zig Anleitungen im Internet, wie man zu diesem (imaginären) Ort kommt. Der einem Geborgenheit, Glück, Zufriedenheit, Ruhe etc. etc. gibt. Ich war mal mit einer Freundin in einem Spa, wo wir uns auf so eine geführte Reise zum Happy Place begeben haben. Zugegebenermaßen: Ich war 18 und habe mich wahrscheinlich auch nicht zu 100% auf das Ganze eingelassen. Ich habe auf jeden Fall keinen Happy Place gefunden.

Immer wieder haben aber viele darüber geredet, dass sie einen solchen Ort haben. Oft war es nicht mal ein imaginärer, sondern wirklich ein Ort oder ein Mensch, an dem bzw. mit dem sie sich immer wohlgefühlt haben, wenn sie dort waren. Also ein Happy Place im echten Leben.

Ein guter Ort, um zu sein

Es gibt schon viele Orte, die ich echt gern mag. Das Tempelhofer Feld (in Berlin) beispielsweise. Dort ist es wirklich toll, weil die Menschen eigentlich immer alle gute Laune haben und ihr Leben genießen. Es ist eigentlich (fast) immer schön. Sofern Sommer oder Frühling, es nicht zu heiß ist (weil es keine Bäume gibt), ich eingecremt bin, ich nicht mit Bällen oder Frisbees abgeworfen werde oder irgendwer seinen Darktechno zu laut hört. Gut, sind vielleicht etwas zu viele Einschränkungen. 

Aber wenn man dann mal weg ist und versucht, sich diesen Ort so wirklich intensiv vorzustellen – keine Chance! Das Gefühl kommt bei mir nicht auf. Obwohl mir das Feld und die Menschen dort so fehlen. Es gibt keinen Ort, an den ich so viele positive Erinnerungen habe: Hunderte entspannte Nachmittage alleine, mit einer großen oder kleinen Gruppe an Freund:innen, auch mal nur mit einer Person – mit und ohne Glitzer im Gesicht. Picknicks, Partys, Sonnenuntergänge, Gewitter und Regengüsse. Die Liste ist endlos lang. Meine „Kamerarolle“ ist voll mit Fotos von solchen Momenten. 

Ein Bild, das Gras, Himmel, draußen, bewölkt enthält.

Automatisch generierte Beschreibung

Und dann war ich im Auslandssemester. Mir hat das Feld gefehlt, ich war traurig und froh zugleich, als ich die (Instagram-)Storys meiner Nachbarin gesehen habe. Aber irgendwie habe ich es nicht geschafft, mich auf diese Reise zu meinem Happy Place zu begeben und dann dort zu verweilen und diese Ruhe, Geborgenheit und einfach dieses Gefühl, das mir das Dasein gegeben hat,  zu empfinden. Leider nein, leider gar nicht.

How to make me happy

Irgendwie ist mir dann aufgefallen, was mich wirklich glücklich macht, worauf ich mich jeden Tag freue, worüber ich wirklich stundenlang nachdenke: Kochen. Ich wache morgens auf und überlege mir, was ich abends kochen soll, was ich dafür einkaufe, was ich schon habe, was nicht. Ich werfe Pläne zehnmal um. Manchmal entscheide ich mich auch für das Falsche, aber schmecken tut’s meistens. Ein Tag ist für mich nicht komplett, wenn ich abends nicht gekocht habe (oder nice essen war haha). 

Am allerschönsten ist es aber für mich, wenn ich für andere koche. Egal wo. Ob meine Küche, die einer Freundin, ein Wohnmobil, Ferienhaus. Hauptsache eine Freundin, ein Freund, mein(e) Mitbewohner:in ist da, wir quatschen, ich werde gefragt, ob man helfen kann: Schnibbeln immer gut. Ein Glas Wein dazu, wir quatschen über dieses und jenes, ich rühre und würze, wir hören Musik, es werden (un)angebrachte Witze erzählt, ich schmecke ab und lasse abschmecken. Wenn es stressig in der Küche ist, ist das für mich wie Entspannung. Alles gleichzeitig machen – kein Problem. 

Danach sitzt man entspannt zusammen, isst, quatscht und hat einfach einen schönen Abend und genießt das Essen, die Menschen und das Leben.

Und dann, wenn mal ein schlechter Tag ist, ich mein Bett nicht verlassen will, begebe ich mich auf diese Reise zu meinem Happy Place, der kein Ort oder Mensch, sondern eine Situation ist. In der ich mich wohlfühlen und ich selbst sein kann. Dann denke ich an all die lustigen Küchenabende, leckeren Essen und tollen Gespräche und sorge dafür, dass ich genau eine solche Situation abends zu Stande kriege.

Also – wenn ihr mich glücklich machen wollt: Lasst euch von mir bekochen!


Von Cilli (25): Cilli gibt gerne Blödsinn von sich. Deshalb sind auch hier die ein oder anderen Texte mit ihrer zynischen Ironie gespickt, die uns alle immer wieder zum Lachen und Nachdenken bringt (“war das jetzt ernst gemeint?”). Sie ist außerdem eine wunderbare Zuhörerin, weshalb sie sich regelmäßig in die Lage anderer hineinversetzt und daraus einfühlsame Porträts zaubert.

Das wunderbare Beitragsbild ist aus der Feder von Lisa Klein.

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