Pflanzenmord ist ihr Hobby

Ich liebe die Natur: ruhige Wälder, fließendes Wasser, wilde Blumen – ich habe mir vor einigen Jahren mal einen Baum tätowieren lassen. Aber warum kille ich unabsichtlich jede eigene Pflanze, die ich mir zulege? Es folgt ein bisschen Selbstmitleid, rein pflanzlich.


Ein „Walk of Shame“ kann vielerlei aussehen: der Gang aus dem WG-Zimmer in die Küche – mit sechs leeren Pfandflaschen und drei benutzten Tellern in den Armen; oder der Heimweg im Morgengrauen, das Outfit vom Abend davor tragend und 3 Promille im Blut, während die Ersten schon auf dem Weg zur Arbeit sind und einen abfällig mustern. Mein Walk of Shame hat mich schon sehr oft zur Biotonne geführt – mit Socken und Sandalen an den Füßen und einer grünbraunen, vertrockneten Leiche in den Armen. Ich habe die Leichen meistens abends im Dunkeln entsorgt, als es keiner gesehen hat, weil ich mich geschämt habe – zurecht. Serienmörderin halt.

Die pflegeleichteste Zimmerpflanze wird bei mir höchstens ein paar Monate alt, bevor sie anfängt, erbärmlich auszusehen. Entweder sie vertrocknet, sie verschimmelt, oder sie wird von Schädlingen heimgesucht. Ich weiß nicht, wieviele Zimmerpflanzen ich auf dem Gewissen habe, aber ich will es auch nicht wissen. Es macht mich traurig.

Mogelpackung Elefantenfuß – nicht so kräftig wie sein Name

Ich habe es auch schon mit Elefantenfüßen versucht. Der Elefantenfuß ist nämlich laut Google die Pflanze, die am einfachsten zu umsorgen ist: „lange Blätter, Verdickung am Stammende, braucht notfalls monatelang nicht gegossen werden“. Hammer, habe ich gedacht, und so ein Teil keine zwei Stunden später stolz im ratternden Einkaufswagen zur Bauhaus-Kasse geschoben. Ist verschimmelt. Und zwar erschreckend früh. Von einer Pflanze, die sich als „Elefantenfuß“ rühmt, ganz schön unrobust.

Vor zwei Jahren hatte ich ein Bäumchen im Topf. Ich wollte schon immer einen eigenen Baum haben und habe mir geschworen, diesmal alles richtig zu machen. Wenn man schon keinen Wald in der Nähe hat, dann holt man ihn sich halt nach Hause, habe ich gedacht. Ich glaube, irgendwelche Mücken haben dann Eier in seine Erde gelegt, denn er bekam plötzlich immer wieder Besuch von Fliegen. Das habe ich der Frau von Ebay Kleinanzeigen, der ich den Baum geschenkt habe, aber asozialerweise nicht erzählt. Offiziell hatte ich einfach „keinen Platz mehr für diesen schönen Baum“. Ja, war auch echt voll diese Wohnung, mit ungefähr drei Ikea-Möbeln. Manchmal habe ich noch heute ein schlechtes Gewissen deswegen. Ich hoffe, sie hatte mehr Ahnung als ich und konnte ihn retten.

Pflanzenschenk-Verbot

Es ist ein Desaster. Ich finde, Pflanzen machen alles schöner und Räume wohnlicher. Ich bin jedes Mal begeistert, wenn ich eine Wohnung betrete, in der viele, schöne Pflanzen stehen, die sich bester Gesundheit erfreuen. Was machen diese Pflanzenbesitzer denn anders? Bekommen ihre Schützlinge Kokosöl-Massagen und Walgesänge? Ich verstehe es nicht.

Wirklich, ich wäre so gerne die mit dem grünen Daumen, die coole Pflanzenmuddi, die ein halb aufgeschnittenes Aloevera-Blatt im Kühlschrank lagert, weil sie daraus ihre eigene Naturkosmetik macht, und die weiß, welche Waldbeeren man essen kann, ohne an einer Vergiftung zu sterben. Aber ich wusste bis gestern nicht mal, wann Maiglöckchen blühen, obwohl sie Maiglöckchen heißen. Ich dachte, das wäre ein Trick, um Leute zu verwirren.

Seit ungefähr einem Jahr kaufe ich mir keine Pflanzen mehr. Meinen Freund:innen habe ich verboten, mir welche zu schenken. Ich begnüge mich zurzeit mit Kunstpflanzen, die von weitem betrachtet ziemlich echt aussehen, und mit getrockneten Blumen. Doch meine Hoffnung ist noch nicht ganz verwelkt.


Von Fee (28): Während Fee sich früher noch Kurzgeschichten über böse Punker ausgedacht hat, schreibt sie heute als Journalistin lieber Texte über die Gefühle ihrer Generation, über gesellschaftliche Missstände und inspirierende Menschen. Manchmal macht sie auch einen Fernsehbeitrag darüber. Ihr Mitbewohner sagt, sie wäre etwas zu vorwitzig und sollte weniger Fragen stellen, aber sie sieht das anders. Immer am Start: Empathie, der Wunsch, mehr von der Welt zu sehen und Hündin Martha.

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