Zwischen Poesie und Penissen: Warum Toiletten-Graffiti lesenswert sind

Wie könnte man seinen innersten Gedanken besser Luft machen als mit einem Edding in der Kabine einer öffentlichen Toilette? Ja, Dinge an fremde Wände zu schreiben, ist Sachbeschädigung. Aber die Eigendynamik, die Toiletten-Graffiti manchmal annehmen, kann auch sehr unterhaltsam sein. Deswegen habe ich meine Masterarbeit darüber geschrieben und mich auf die Suche nach Klo-Wandsprüchen gemacht. Und siehe da, nicht nur Kugelschreiber-Penisse, sondern auch Aktivismus, Liebesbekundungen und Poesie.

Pflanzenmord ist ihr Hobby

Ich liebe die Natur: ruhige Wälder, fließendes Wasser, wilde Blumen – ich habe mir vor einigen Jahren mal einen Baum tätowieren lassen. Aber warum kille ich unabsichtlich jede eigene Pflanze, die ich mir zulege? Es folgt ein bisschen Selbstmitleid, rein pflanzlich.

Tina weiß nicht, was ein Meme ist und das ist ein Problem

Ich komme aus dem Saarland. Und manchmal mache ich selbst Jokes darüber. Saarland-Bashing kann ja auch unterhaltsam sein. Zumindest, wenn man sich dabei ein bisschen Mühe gibt und nicht wie eine Loop Station alles wiederholt, was Böhmermann mal gesagt hat. Denn das Saarland hat durchaus seine Eigenarten – das kann man nicht leugnen. Das hier soll aber kein Bashing-Text werden, sondern eher ein Hinterfragen dessen, ob es nicht vielleicht gut wäre, als eingefleischte:r Saarländer:in auch mal woanders hinzuziehen, wenn auch nur für eine befristete Zeit.

Keine Promo für die FOMO – Warum man nicht immer überall dabei sein muss

Die einen haben’s mehr, die anderen weniger: die Angst, Dinge zu verpassen: die „Fear of Missing Out“ (FOMO). Ich hab sie. „Bloß nicht zu Hause bleiben, denn es könnte ja sein, dass meine Freund:innen den besten Abend der Welt erleben – und ich bin nicht dabei. KATASTROPHE“, schreit mich mein Hirn an, sobald ich mich alleine auf die Couch setze. Hirn, lass das mal bitte.

„Mutige Fashion Babes“: Warum die Sprache in Beauty-Magazinen ein Update braucht

„Maximal edgy und nichts für schwache Nerven. Ein cooler Beauty-Look für mutige Fashion Babes!“ Wer redet denn so? Und warum steht das heute immer noch so in der Cosmopolitan? Fühlt sich irgendjemand davon abgeholt? Also ich nicht. Und ich vermute mal, dass die TikTok-Generation das auch eher „peinlo“ findet.  Vielleicht finden die aber auch, dass sich das Folgende wie ein Boomer-Rant liest. Eines ist sicher: Beautymagazinisch ist eine unangenehme Sprache, die dringend ein Update braucht. 

Hier, du kriegst mein letztes Hemd

Wart ihr nach einem Regentag schon mal total durchnässt, weil ihr unterwegs euren Regenschirm an jemand anderen verschenkt habt? Oder habt ihr euch vielleicht sogar schon mal fast für jemanden aufgegeben, um ihn oder sie zu retten – und dabei euch selbst vergessen? „Selbstlos sein“ – wenn man das zweimal liest, klingt das irgendwie ungesund. Und ja, die eigenen Ressourcen für das Wohl anderer zu verbrauchen, ist eigentlich nicht gerade ritterlich.

Vom pathologischen Vertagen

“Ist ja noch Zeit”, denkt man sich oft und schiebt und schiebt und schiebt vor sich her. Lernen, Pfand wegbringen, endlich mal auf diese längst nach unten gerutschte WhatsApp-Nachricht antworten. Hundertmal dran gedacht, aber nix gemacht. Andere Dinge waren immer spannender. Und dann kommt irgendwann der Zugzwang.