Summ summ summ, ich bumble hier herum

Als Frau in einer Beziehung war ich immer ganz hyped darauf, die Dating-Apps meiner Freundinnen für sie zu benutzen. Ein bisschen swipen, Profile anschauen, anerkennend nicken, sich darüber aufregen, wie oberflächlich man auf einmal wird, irgendwelche Typen in ihrem Namen anschreiben, bescheuerte Gespräche führen: reines Entertainment. Seitdem ich Single bin, habe ich mich erfolgreich davon ferngehalten. Doch dann kam ein Montagabend…


Datenight mit meiner Mitbewohnerin. Wir haben die erste Flasche Wein geöffnet, ganz viel geredet, über Gott und die Welt, meine Trennung, unsere Leben. Bei der zweiten Flasche Wein haben wir uns gedacht, wir sollten vielleicht mehr ausgehen, damit wir mal neue Menschen kennenlernen. Oder Bumble haben und darüber Bekanntschaften machen. Ich habe wie so oft betont, dass ich absolut kein Bumble möchte. Am Ende der zweiten Flasche beging ich einen Fehler: Ich versprach, sie dürfte mir mit unserem Mitbewohner ein Profil erstellen, wenn sie es schafft, ihn aus seinem Zimmer vom Zocken zu locken… Es hat keine 30 Sekunden gedauert und er stand in der Küche.

Dejavu-artig habe ich mein Vergangenheits-Ich genauso sitzen sehen – wie ich immer wieder die Profile meiner Freundinnen “missbraucht” habe. Auf der anderen Seite sitzend fand ich es dann doch erschreckend, wie viel Spaß die beiden daran hatten, den Spieß umzudrehen. Immerhin durfte ich ein kleines bisschen mitbestimmen. Und ich muss zugeben, dass sie schon ein ganz akkurates Profil erstellt haben. Fake war es jedenfalls nicht. Dann ging es ans Swipen. Links bedeutet nein, rechts ja. Da hab ich den beiden auch erstmal freie Hand gelassen – weiß nicht, ob das die beste Idee war. Aber die dritte Flasche Wein hat’s möglich gemacht, die Kontrolle ein bisschen abzugeben. Ich hätte gern ein Bild davon, wie wir zu dritt über das Handy gebeugt dasaßen und unseren Spaß hatten. 

Nächster Schritt: Männer anschreiben. Bei Bumble Frauensache. Nur ein „Hi“ ist nicht einfallsreich genug, man muss also schon auf das eingehen, was in den Profilen steht. 

Getränke für Frisuren und verzichtbare Angebote

Ein Typ schrieb in seinem Profil, dass er jemanden sucht, der ihm die Haare flechten kann. Mein Mitbewohner schrieb: „Geil Haare flechten!“ – ich weiß bis heute nicht, wieso die den geswiped haben. Die Matches waren größtenteils nicht der Schlag Mensch, den ich sonst so kennenlernen würde – aber gut, man kann ja auch mal über seinen Tellerrand hinausschauen. Einen Tag später bekam ich die Antwort, dass wenn er mit meinen Flechtkünsten zufrieden sein würde, er die Getränke bezahle. Ende der Konversation.

Das wohl beste Gespräch hatte ich mit jemandem, der mich fragte, was ich eigentlich auf Bumble suchte. Ja. Was suchte ich da eigentlich? Es ist tatsächlich wahres Entertainment, aber ganz ohne Absichten, lädt man es sich ja dann doch nicht runter. Jedenfalls konnte ich seine Frage nicht so wirklich beantworten. Er wiederum schon: Für sich und seine F+ suchte er jemanden, die Lust auf einen Dreier hat. Diese unverblümte Ehrlichkeit fand ich cool. Habe aber trotzdem dankend abgelehnt. Auf die Aussage, dass wir uns auch gerne mal zu zweit treffen könnten, habe ich dann nicht mehr geantwortet. 

20 Minuten Bumble und schon ein Angebot für einen Dreier. 

Dates für andere

Ehrlicherweise habe ich am nächsten Tag aus Langeweile und auch Interesse weiter geswiped. Bei einem Typen dachte ich direkt, der wäre was für meine Freundin. Habe das Profil offengelassen, bin los ins Café und habe es ihr gezeigt. Zack. Rechts. Fast hätte ich’s geschafft, ein Date für sie auszumachen. Aber wie so meistens auf Bumble (was ich in nur 48 Stunden gemerkt habe), versiegen die Gespräche viel zu schnell. Langweilig.

Fairnesshalber durfte sie sich dann auch ein bisschen mit meinem Profil austoben. Habe ich bei ihr ja auch immer gemacht. Dabei fand sie einen, der behauptete, dass Leitungswasser aus dem Bad viel besser schmecke als aus der Küche. Perfekte Steilvorlage für einen Gesprächsbeginn. Sie und ich hatten direkt eine Diskussion über unsere Leitungswasserpräferenzen. Man gerät also auch durch andere Profile in tiefgehende Gespräche. Großartig. 

Bestätigung und Entertainment

Es wäre eine Lüge zu sagen, dass Online-Dating einem gar nichts gibt. Ich wollte mich aber mit niemandem treffen und auch eigentlich keine oberflächlichen Gespräche führen. 

Natürlich bekommt man auf eine gewisse Art und Weise Bestätigung. Und ich kenne auch Leute, die über Bumble, Tinder & Co. zusammen gekommen sind. Find ich auch schön, wenn es so klappt. Für mich ist diese Online-Dating-Welt bisher auf jeden Fall nichts. Auch wenn es kurzzeitig amüsant ist. Irgendwie ist es mir dann doch alles zu künstlich, man kommt in keinen richtigen Vibe. Ich mag echte Gespräche. Ich hoffe dann doch, wen (für heutzutage ganz „untypisch“) im echten Leben kennenzulernen – oder auch erstmal nicht. 

48 Stunden Bumble – reicht dann auch. Ich habe die App und mein Profil also wieder gelöscht. Doch davor habe ich noch endlos nach links geswiped, um meinen Mitbewohner zu finden. Der gute Ton sorgte dafür, dass wir ein Match hatten. Denn es gilt: Wen du kennst, swipest du nach rechts.


Das Bild stammt aus der Feder von Joëlle & Bernadette

Von Cilli (25): Cilli gibt gerne Blödsinn von sich. Deshalb sind auch hier die ein oder anderen Texte mit ihrer zynischen Ironie gespickt, die uns alle immer wieder zum Lachen und Nachdenken bringt (“war das jetzt ernst gemeint?”). Sie ist außerdem eine wunderbare Zuhörerin, weshalb sie sich regelmäßig in die Lage anderer hineinversetzt und daraus einfühlsame Porträts zaubert.

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