Zeichnung mit Grabstein und freundlichem Geist. Davor ein kleines Strichmännchen, das sich fröhlich mit dem Geist unterhält.

Gestorben wird trotzdem

Sterben ist scheiße und der Tod ein Thema, das beim kürzesten Gedankenfunken daran, Angst, Panik und Beklemmung in mir auslöst. Und weil es mir die Gesellschaft herrlich einfach gemacht hat und der Zufall lange auf meiner Seite war, konnte ich das Thema bisher auch weitestgehend aus meinem Leben verbannen. Mit dem plötzlichen Verlust einer sehr geliebten Person ist mir schmerzlich bewusst geworden, wie komplex Tod, Sterben und Trauer sind – und dass wir als Gesellschaft diesen essentiellen Themen viel zu wenig Platz einräumen. 

Auf der Suche nach den Kinomomenten im Alltag

In Filmen wirkt das Leben oft auf Hochglanz poliert – Musik und Atmosphäre kreieren Situationen, die bis ins kleinste Detail aufeinander abgestimmt sind und das Leben wie einen einzigen, wunderschönen Gefühlsexzess aussehen lassen. Fakt ist natürlich, dass viele Situationen im echten Leben viel glanzloser sind. Das bedeutet natürlich nicht, dass nicht auch in der Realität manchmal alles passt und das Leben einem Kinomomente in den Alltag spült – oder man sie sich ganz einfach selbst kreiert.

Aliens, Trump und der kleinste gemeinsame Nenner

“Reisen macht weltoffener, Reisen macht toleranter.” Wir alle kennen diese Phrasen und haben sie vielleicht schon so oft gehört, dass wir sie in vielen Fällen für unterprivilegierten Bullshit halten. Und natürlich ist Reisen nicht gleich Reisen und ein all-inclusive Aufenthalt in Griechenland macht vielleicht allenfalls offener für Ouzo. Wenn man allerdings einen Monat lang in einem Hostel mit Menschen lebt, die an Aliens, Avatar und die Macht Trumps glauben, verlässt man irgendwann unweigerlich seine Comfort Zone. Und auch wenn sich an meiner Weltanschauung nichts verändert hat, doch zumindest an Art und Weise, wie ich anderen begegne. 

Planlos im Scanner-Modus

Scanner, das sind Menschen, die viele verschiedene Interessen und Fähigkeiten haben. Und zu denen ich mich – seit ich weiß, dass es diesen Persönlichkeitstyp überhaupt gibt – zugehörig fühle. Aber was sich erst mal nach einem mit Hobbys und Leidenschaften gefüllten Leben anhört, kann insbesondere im Arbeitskontext problematisch sein. Denn unser Arbeitsmarkt ist größtenteils nicht auf Scanner-Persönlichkeiten ausgerichtet. Wie ermüdend dieser Scanner-Mode also vor allem im Hinblick auf berufliche Ziele sein kann, ist mir gerade in den letzten Monaten schmerzhaft bewusst geworden.

Der Lärm der Stille  

Stille – ein Zustand, der sowohl popkulturell als auch in meinem Umfeld mit extrem gegensätzlichen Vorstellungen und Emotionen konnotiert ist. In der ARD-Schmonzette setzt sich die die von der trubeligen Großstadt ermüdete Workaholic-Beate in das mecklenburgische Hinterland ab und schwärmt von der „herrlichen Stille“, die ihr endlich wieder Raum zum Atmen und Nachdenken gibt. Eine Freundin von mir kann dank ihres neuen, stillen WG-Zimmers zum Hinterhof endlich wieder ungestört schlafen. Und dann gibt es Leute wie mich, für die Stille gar nicht still, sondern unerträglich laut ist; und damit ein Zustand, in den ich mich nur ungern reinbegebe.

Alles scheiße, außer Sommer

Auf Sommer folgt Herbst. Und auf Herbst folgt Winter. Das ist gut so – und soll auch ganz dringend so bleiben. Nicht nur, weil unsere Ökosysteme von diesem Kreislauf abhängen. Wenn es allerdings nach meinem eigenen, innerem Ökosystem gehen würde, dürfte das Thermometer die 20 Grad nicht unterschreiten – weil weder mein Körper noch mein Kopf sonderlich gut auf Kälte und Dunkelheit klarkommen. Viel schlimmer als der Winter an sich ist aber der Wirbel, den ich jedes Jahr um seine Ankunft mache. Weil mein wochenlanges Meckern und Murren die Situation für mich eigentlich noch viel unerträglicher machen.

Schlaflos in Köln

Nicht schlafen können – Das ist ein Problem von alten Menschen, die nicht mehr so richtig fit sind. Das ist ein Problem von Manager:innen, die so viel Stress an der Arbeit haben, dass es sie auch nachts nicht mehr loslässt. Das ist ein Problem von frischgebackenen Eltern, die verzweifelt nachts wachliegen, weil das Baby wieder weint: Naiv, dass ich das wirklich mal dachte. Bitter, dass ich erst selbst von Schlafstörungen betroffen sein musste, um zu checken, wie unglaublich belastend sie sein können. Und wie viel Zeit und Kraft es braucht, sie zu bekämpfen.

Über das Aufgeben und Loslassen

Let it go, let it go, can’t hold it back anymore… Ich wünschte, ich wäre fähig gewesen, ohne monströsen Ohrwurm in diesen Text einzusteigen. Aber der Frozen-Banger hat sich mir beim Schreiben wirklich jede Sekunde so penetrant in den Kopf geschlichen, dass ich ihn jetzt einfach zur Beitrags-Hymne erkläre. Und wenn ich genauer drüber nachdenke, hat auch selten jemand besser ausgedrückt als Elsa, wie krass befreiend Loslassen sein kann – und wie unausweichlich nötig das manchmal ist. Hätte sie dann noch erklärt, wie schnell man Loslassen mit Aufgeben verwechseln kann, wären mir vielleicht einige psychische Tiefpunkte in meinem Leben erspart geblieben.

Die Suche nach dem Erwachsenwerden

Als Kind habe ich gedacht, dass irgendwann in meinem Leben sowas wie ein Kipppunkt kommt, an dem ich mich urplötzlich ganz doll erwachsen fühle. Verortet habe ich diesen magic moment irgendwo an den Anfang meiner Zwanziger. Mittlerweile bin ich Mitte 20. Und surprise: gekippt ist da immer noch nichts. Und langsam beschleicht mich das Gefühl, dass ich vielleicht mal meine Vorstellung vom Erwachsensein überdenken sollte. 

Tik tak, tik tak, die Zeit ist knapp

Je älter man wird, desto schneller vergeht die Zeit. Ein Satz, den ich lange für eine ausgelutschte Erwachsenen-Phrase gehalten habe. Dass so manche Lebensweisheit mehr mit der Realität zu tun hat als das Latte Macchiato-Wand-Tattoo von Moni, ist mir irgendwie in den letzten Monaten besonders aufgefallen. Deswegen habe ich mal ein bisschen in mich reingehört, um herauszufinden, ob die Uhr da wirklich plötzlich schneller tickt.