Warum mir die Skincare-Routine von Achtjährigen Angst macht

KI-generiertes Bild von freepik

Gefühlt ist alles für alle möglich

Ich bin ehrlich: Ich selbst kann mich leider auch nicht komplett davon freimachen, immer mal wieder über die ein oder andere Falte zu jammern. Oder über zu blasse Haut, zu kurze Wimpern. Wimpernserum, Selbstbräuner… es gibt halt auch so viele Möglichkeiten, vermeintliche „Makel“ auszugleichen, damit man sich schöner fühlt. 

Grundsätzlich finde ich das auch absolut gut und wichtig, dass jeder Mensch selbst entscheiden darf, was er mit seinem Körper macht. Aber was mir echt ein komisches Gefühl bereitet, ist, dass alles immer doller zu werden scheint und es mittlerweile oft auch Kinder sind, die es sich anscheinend zur Lebensaufgabe gemacht haben, „perfekt“ auszusehen. Wenn ich mir vorstelle, dass ich irgendwann mal ein Kind haben sollte, dem jeden Tag im Internet vorgelebt wird, wie man auszusehen hat und was für Möglichkeiten es dafür alles gibt, kriege ich Gänsehaut. Aber keine schöne.

TikTok-Trend „Sephora Kids“

Wer oben im Teasertext über das Thema „Achtjährige werben für Antifaltencreme“ gestolpert ist und gedacht hat: „Nie im Leben“, den muss ich desillusionieren, weil: doch, leider schon. Ärzt*innen warnen inzwischen immer wieder vor den gesundheitlichen und psychischen Folgen für sogenannte „Sephora Kids“. Das sind Acht- bis Zwölfjährige mit streng zurückgebundenem Haar, die auf TikTok Schminktutorials durchführen und ihre neuen Kosmetikartikel präsentieren. Wie prominente Beauty-Influencerin­nen testen die „Sephora Kids“-Produkte von Luxusmarken, wie zum Beispiel Feuchtigkeitscremes für 76 Dollar (70 Euro). Die Folge: Immer mehr junge Mädchen flehen ihre Eltern an, ihnen Antifaltencreme zu kaufen.

In Schweden hat eine Apothekenkette jetzt den Verkauf von Anti-Aging-Produkten an Kund*innen unter 15 Jahren verboten. Und auch in Deutschland schlägt das Thema Wellen. Aber das Problem ist: So richtig beeinflussen oder „eines Besseren belehren“ kann man da glaube ich mittlerweile niemanden mehr, weil in der Hinsicht heute gefühlt für alle einfach alles möglich ist.

Schlupflider vom vielen Lachen

Wenn ich mich mal wieder darüber aufrege, dass ich auf einem Foto „voll die Schlupflider“ habe, versuche ich hinterher immer, mich selbst zu besänftigen, indem ich mir sage, dass das bestimmt nur vom vielen Lachen kommt, weil die Augen ja mitlachen. Ich werde ja bestimmt nicht ohne Grund immer jünger geschätzt, als ich bin. Aber mich selbst stören kleine Fältchen an mir selbst trotzdem. Ich würde gerne lernen, sie stattdessen zu feiern. Letzte Woche habe ich in einem Laden eine Boomertasse gesehen, auf der stand „Das sind keine Falten auf der Stirn, das ist mein Sixpack vom Denken“. Das hat mich jetzt nicht unbedingt inspiriert, aber ganz kurz hatte ich den Gedanken im Kopf „Man nimmt das alles immer viel zu schwer“.

Ich glaube, es wäre leichter, wenn Menschen nicht solche Angst vor dem Älterwerden und dadurch logischerweise auch Älter-Aussehen hätten. Vor allem aber sollten Kinder diese Angst nicht haben. Das ist so absurd.

Unter anderem aus solchen Gründen zweifle ich ernsthaft daran, Kinder in die Welt setzen zu wollen. Wenn ich so mitbekomme, wie das Erwachsenwerden für Kinder und Jugendliche in Zeiten von Social Media heutzutage sein muss, mit diesen ganzen Möglichkeiten, Vergleichen und Idealen (vom Klimawandel und anderen Krisen natürlich ganz zu schweigen), dann tendiere ich eher zu: nein. Klingt gerade irgendwie ausweglos, und vielleicht sehe ich das in ein paar Jahren auch anders. Vielleicht entwickelt sich unsere Gesellschaft ja doch nochmal hin zu mehr Selbstakzeptanz – ich würde es mir wünschen. ❤


Von Fee (30): Während Fee sich früher noch Kurzgeschichten über böse Punker ausgedacht hat, schreibt sie heute als Journalistin lieber Texte über die Gefühle ihrer Generation, über gesellschaftliche Missstände und inspirierende Menschen. Manchmal macht sie auch einen Fernsehbeitrag darüber. Ihr Mitbewohner sagt, sie wäre etwas zu vorwitzig und sollte weniger Fragen stellen, aber sie sieht das anders. Immer am Start: Empathie, der Wunsch, mehr von der Welt zu sehen und Hündin Martha.

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