Angepasst oder angepisst?

Durch meine Masterarbeit habe ich mich sehr viel mit Gender und der Erziehung von Mädchen zur ‚richtigen‘ Frau auseinandergesetzt. Was soll ich sagen? Ich fand’s vorher schon alles viel zu crazy, aber mittlerweile fallen mir einfach noch tausendmal mehr Dinge auf und die Augen zeitweise aus dem Kopf. Ein Mädchen wird systemintern dazu erzogen, lieb, brav und nett zu sein. Freche Mädchen sind witzig – solange sie klein sind, werden aber später nicht ernst genommen. Frau sollte sich also schon angepasst verhalten. Bloß nicht ‚uncool‘ oder ‚hysterisch‘ wirken, auch wenn schon mal sexistische Kommentare kommen. Einfach mitlachen und darüber hinwegsehen. Hab’ ich viel zu oft gemacht. 

„War doch nur ein Kompliment“ 💩

Ich erfahre schon mein Leben lang, was es heißt, eine Frau in dieser Welt zu sein. Trotzdem waren mir Begriffe wie „Feminismus“, „Sexismus“, „Patriarchat“ und vor allem das Verständnis dafür, was dahinter steckt, sehr lange fremd. Doch je älter ich werde und je mehr Wissen ich jetzt darüber habe, desto mehr verstehe ich, was ich früher nicht verstanden habe. Was sich zwar schon immer mit einem beklemmenden Alarm-Gefühl in mir geäußert hat, für das ich aber keine Worte und erst recht keine Erklärung hatte. Und je mehr ich jetzt zuordnen kann, desto geschockter und ängstlicher bin ich. Vor allem aber bin ich wütend.

Boys do*nt* Cry

Nevertheless: Die Frage hat mich nicht losgelassen. Zu viele weiße hetero Cis-Männer in meinem Umfeld, die unter den Rollenzuschreibungen der Gesellschaft leiden. Und genau dieses Problem ist ein riesiger Bestandteil ihrer alltäglichen Lebensrealitäten. Und ein genauso unterschwelliges wie verdrängtes Problem dieser Gesellschaft. Das ständige Sich Behaupten Müssen – als Mann, als Starker, als Großer, Breiter und Bärtiger, als GroßPenisiger, als Mutiger und Beschützer – befeuert das eigentliche Problem: Toxische Männlichkeit.