K.I.Z statt Taylor Swift – Entscheidungen für den male gaze

Als ich circa 15 Jahre alt war, begann ich eine Notiz in meinem Handy zu führen, in der ich alle Jungs auflistete, die ich bis dato geküsst hatte. Wirklich viele kamen da nicht zusammen, aber irgendwie schien es mir wichtig, die paar, die es bereits gab, schwarz auf weiß festzuhalten. Man könnte das nun auf meine nostalgische Ader schieben. Aber mittlerweile habe ich das Gefühl, dahinter verbarg sich noch etwas anderes. Ich glaube, die Liste ist einer der eindeutigsten Ausdrücke meiner Suche nach männlicher Bestätigung.

Auf der Suche nach den Kinomomenten im Alltag

In Filmen wirkt das Leben oft auf Hochglanz poliert – Musik und Atmosphäre kreieren Situationen, die bis ins kleinste Detail aufeinander abgestimmt sind und das Leben wie einen einzigen, wunderschönen Gefühlsexzess aussehen lassen. Fakt ist natürlich, dass viele Situationen im echten Leben viel glanzloser sind. Das bedeutet natürlich nicht, dass nicht auch in der Realität manchmal alles passt und das Leben einem Kinomomente in den Alltag spült – oder man sie sich ganz einfach selbst kreiert.

Vom Gendern im Bierzelt

Über das Pfingstwochenende habe ich meine bayerische Heimat besucht. DAS Event des Frühlings stand schließlich an – und zwar in meinem kleinen Heimatdorf. Ein viertägiges Fußballturnier plus jeden Abend Party im Bierzelt mit angrenzender „Stodl Bar“ und „Sprizz Hütt‘n“. Die Köln-Lena stand plötzlich mal wieder Auge in Auge mit der Dorf-Lena und wie sollte ich es besser sagen als Goethe? Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust!

Bitte nicht ansprechen!

Vor kurzem war ich neidisch auf eine Schnecke. Dabei haben Schnecken wirklich nicht viele beneidenswerte Eigenschaften: Sie sind langsam und glibschig und es besteht immer die Gefahr, dass sie von einem rücksichtslosen Kind, das seinen Fußball in der Spielplatzhecke sucht, zertrampelt werden. Nein, auf all diese Eigenschaften bin ich nicht neidisch. Dafür aber auf ihr Schneckenhaus, in das sie sich einfach jederzeit und überall zurückziehen können, wenn sie gerade nicht mit anderen Schnecken interagieren wollen.

Planlos im Scanner-Modus

Scanner, das sind Menschen, die viele verschiedene Interessen und Fähigkeiten haben. Und zu denen ich mich – seit ich weiß, dass es diesen Persönlichkeitstyp überhaupt gibt – zugehörig fühle. Aber was sich erst mal nach einem mit Hobbys und Leidenschaften gefüllten Leben anhört, kann insbesondere im Arbeitskontext problematisch sein. Denn unser Arbeitsmarkt ist größtenteils nicht auf Scanner-Persönlichkeiten ausgerichtet. Wie ermüdend dieser Scanner-Mode also vor allem im Hinblick auf berufliche Ziele sein kann, ist mir gerade in den letzten Monaten schmerzhaft bewusst geworden.

Der Lärm der Stille  

Stille – ein Zustand, der sowohl popkulturell als auch in meinem Umfeld mit extrem gegensätzlichen Vorstellungen und Emotionen konnotiert ist. In der ARD-Schmonzette setzt sich die die von der trubeligen Großstadt ermüdete Workaholic-Beate in das mecklenburgische Hinterland ab und schwärmt von der „herrlichen Stille“, die ihr endlich wieder Raum zum Atmen und Nachdenken gibt. Eine Freundin von mir kann dank ihres neuen, stillen WG-Zimmers zum Hinterhof endlich wieder ungestört schlafen. Und dann gibt es Leute wie mich, für die Stille gar nicht still, sondern unerträglich laut ist; und damit ein Zustand, in den ich mich nur ungern reinbegebe.

To fight or not to fight – das ist hier die Frage

Vor kurzem habe ich mich das erste Mal „ernsthaft“ mit meinem Mitbewohner gestritten. Es ging eigentlich nur um eine Kleinigkeit: Wir waren uns uneinig darüber, wer wann was in der Küche aufräumen soll. Ein paar Minuten lang ging die Diskussion dann hin und her, bis ich meinte, dass mir das Ganze eigentlich egal sei und wir die Küche gerne auf seine Art aufräumen könnten. Und damit ging der eigentliche Streit erst los.