Als ich circa 15 Jahre alt war, begann ich eine Notiz in meinem Handy zu führen, in der ich alle Jungs auflistete, die ich bis dato geküsst hatte. Wirklich viele kamen da nicht zusammen, aber irgendwie schien es mir wichtig, die paar, die es bereits gab, schwarz auf weiß festzuhalten. Man könnte das nun auf meine nostalgische Ader schieben. Aber mittlerweile habe ich das Gefühl, dahinter verbarg sich noch etwas anderes. Ich glaube, die Liste ist einer der eindeutigsten Ausdrücke meiner Suche nach männlicher Bestätigung.
Kategorie: Zwischen Menschen
Mein Problem mit dem Sharing
„Sharing is caring“ – der Spruch gehört zwar eigentlich nicht in den Kontext von Freund:innenschaften und doch könnte man irgendwie sagen, dass es ein Erfolgsrezept dafür ist: Du vertraust mir etwas an, ich vertraue dir etwas an. Dadurch sind wir auf einer ähnlichen Wissensebene und verstärken das Band, das wir zwischen uns knüpfen. Auch die Wissenschaft zeigt, dass dieses gegenseitige Anvertrauen Freund:innenschaften stärker, intensiver und bedeutungsvoller macht. Und trotzdem fällt es mir oft schwer, mich darauf einzulassen.
Vom „zwanglosen“ Dating und warum Lilly katastrophal schlecht darin ist
Wenn ich eine Liste meiner Stärken auf Papier bringen müsste, würde „Casual Dating“ eindeutig den allerletzten Platz belegen – noch weit hinter Mathe und Excel. Casual Dating – sich „zwanglos“ Treffen – eine Praxis, die mir wirklich alles andere als vertraut ist. Das Problem fängt schon damit an, dass meine Phantasie nicht ausreicht, um mir vorzustellen, was zwischen zwei Menschen denn so passiert, wenn sie sich nur auf ganz „locker“ daten. Sex und Smalltalk und dann ab nach Hause? Sex und schweigen? Kuscheln, ja, nein? Gemeinsam trinken top, zusammen essen flop? Wo endet Zwanglosigkeit und was ist die Grenze zum Intimen?
Angepasst oder angepisst?
Durch meine Masterarbeit habe ich mich sehr viel mit Gender und der Erziehung von Mädchen zur ‚richtigen‘ Frau auseinandergesetzt. Was soll ich sagen? Ich fand’s vorher schon alles viel zu crazy, aber mittlerweile fallen mir einfach noch tausendmal mehr Dinge auf und die Augen zeitweise aus dem Kopf. Ein Mädchen wird systemintern dazu erzogen, lieb, brav und nett zu sein. Freche Mädchen sind witzig – solange sie klein sind, werden aber später nicht ernst genommen. Frau sollte sich also schon angepasst verhalten. Bloß nicht ‚uncool‘ oder ‚hysterisch‘ wirken, auch wenn schon mal sexistische Kommentare kommen. Einfach mitlachen und darüber hinwegsehen. Hab’ ich viel zu oft gemacht.
Bitte nicht ansprechen!
Vor kurzem war ich neidisch auf eine Schnecke. Dabei haben Schnecken wirklich nicht viele beneidenswerte Eigenschaften: Sie sind langsam und glibschig und es besteht immer die Gefahr, dass sie von einem rücksichtslosen Kind, das seinen Fußball in der Spielplatzhecke sucht, zertrampelt werden. Nein, auf all diese Eigenschaften bin ich nicht neidisch. Dafür aber auf ihr Schneckenhaus, in das sie sich einfach jederzeit und überall zurückziehen können, wenn sie gerade nicht mit anderen Schnecken interagieren wollen.
Ab ins Schneckenhaus: Wenn die Luft zum Atmen fehlt
„Wenn ich dir zu viel bin, musst du das sagen,“ hat neulich jemand zu mir gesagt. „Ja, es ist gerade zu viel, ich brauche ein bisschen Freiraum“, habe ich gedacht. Gesagt habe ich aber „Nee, alles gut, ich würde das dann schon sagen.“ Eigentlich bin ich eine ehrliche Haut, aber in solchen Situationen werde ich automatisch zur notorischen Lügnerin.
To fight or not to fight – das ist hier die Frage
Vor kurzem habe ich mich das erste Mal „ernsthaft“ mit meinem Mitbewohner gestritten. Es ging eigentlich nur um eine Kleinigkeit: Wir waren uns uneinig darüber, wer wann was in der Küche aufräumen soll. Ein paar Minuten lang ging die Diskussion dann hin und her, bis ich meinte, dass mir das Ganze eigentlich egal sei und wir die Küche gerne auf seine Art aufräumen könnten. Und damit ging der eigentliche Streit erst los.
Von Kaugummis und Sprungfedern
Jeden Tag begegnen wir fremden Menschen und müssen mit ihnen in Interaktion treten. Ob beim Bäcker oder in der U-Bahn. Wir kommen gar nicht drum herum. Warum also sind wir nicht alle ein bisschen achtsamer miteinander, damit diese Begegnungen einen positiven Effekt auf uns alle haben?
Eine brühend heiße Schatzkammer an Geschichten
Wenn mich Menschen fragen, warum zum Teufel ich mir eine Tasse Kaffee tätowieren ließ, dann verstehe ich die Frage meist nicht. Ich zucke dann mit den Schultern. Am liebsten würde ich mein tiefstes Beileid dafür bekunden, dass Kaffee keine große Bedeutung im Leben dieser Person zu haben scheint. Seit dem Tag unserer ersten Begegnung begleitet mich Kaffee durch sämtliche Lebenslagen: Kaffee am Morgen, Kaffee und Sonne, Kaffee und Kuscheln, Kaffee und Kippe, Kaffee und Stress, Kaffee und Tränen, Kaffee und Reden, Kaffee und Denken, Kaffee und Fühlen, Kaffee am Bahnhof, Kaffee an der Autobahnraststätte, Kaffee und Bücher, Kaffee und Küssen, Kaffee und Freund:innen. Kaffee birgt so viele kleine Geschichten und Traditionen, die mir immer wieder zeigen, dass Kaffee eben nicht einfach nur Kaffee ist.
How to: Third wheel
Es ist nicht immer einfach, als Single mit vielen vergebenen Personen befreundet zu sein. Das “fünfte Rad am Wagen” zu sein, war auch für mich schon hin und wieder ein Albtraum-Szenario. Plott-Twist: Mittlerweile genieße ich es aber, als third wheel einen ganz anderen Einblick in die Beziehungen um mich herum zu bekommen.