Vom „zwanglosen“ Dating und warum Lilly katastrophal schlecht darin ist 


Man sollte denken, nachdem frau sich von ihrem siebenjährigen Partner und besten Freund getrennt hat, sollte eigentlich genau der richtige Zeitpunkt für “Casual Dating” sein. Nach einer intensiven Klarkommphase habe ich das dann auch wirklich gedacht! Etwas Neues, was ich noch nie probiert hatte … geil! … Ich war ready … and I really tried.

Der Haken mit der Langeweile

Kleiner Spoiler: Ich scheiterte. Versteht mich nicht falsch; ich fand es schon ganz cool, mir keine großen Gedanken darüber machen zu müssen, ob unser Treffen morgen steht oder eben nicht, wer wem schreibt oder eben nicht, wen er sonst noch sieht oder eben nicht. Es war mir eben egal. Aber genau da ist auch der Haken. Wozu brauche ich denn einen Menschen in meinem Leben, der mir egal ist? Gibt es überhaupt irgendjemanden, der das wirklich braucht? Nach drei Treffen habe ich mich so dermaßen gelangweilt, dass ich es nicht mehr ausgehalten habe. 

Wenn ich date, gibt es also eigentlich nur zwei Optionen: 

Option A) Ich finde dich doof oder langweilig. Ich kann nichts mit dir anfangen. Dann habe ich kein Interesse daran, dich weiter kennenzulernen, geschweige denn dich regelmäßig zu treffen. Auch dann nicht, wenn du noch so hübsch bist. 

Option B) Ich finde dich interessant. Dann möchte ich aber auch damit beginnen, deepe Fragen zu stellen, dich besser kennenzulernen und unseren Körperkontakt nicht nur aufs Minimum zu reduzieren. 

Ein dazwischen fällt mir anscheinend schwer. Ich bin neugierig, ich finde Menschen und ihre Geschichten spannend  – da will ich eben auch wissen, was in der Gedankenwelt meines Gegenübers so abgeht (ich spreche hier nicht von Onenight-Stands – soo fromm bin auch ich nicht). 

Mit vollem Körpereinsatz voraus

Mein Exfreund und ich, wir haben fast drei Jahre lang eine offene Beziehung geführt – und nicht einmal da habe ich es fertig bekommen, casual zu daten. Wir beide im Übrigen nicht. Es scheint also, als gebe es bei mir irgendeinen Fehler in der Matrix, einen bug, der es mir unmöglich macht, mich nicht mit vollem Körpereinsatz in Dinge hinein zu stürzen. 

Das alleine ist jetzt erst mal keine große Überraschung – wie ich auf diesem Blog ja jetzt schon zu genüge breitgetreten habe, bin ich ein Mensch mit einer großen, intensiven Gefühlswelt und einem Faible für kleine Nervenkitzel. Es wundert also erst einmal nicht, dass ich nun eben auch im Dating-Kontext eine klassische Bungee-Springerin bin: Einfach fallen lassen, um sich auch ja die volle Gefühlsdröhnung abzuholen. Ich möchte dieses schillernde Sätte-Gefühl von Leben auch niemals missen müssen. 

Was mich aber doch ein bisschen von mir selbst überrascht, ist das Vertrauen, mit dem ich mich immer noch in Situationships begebe. Denn ich bin im letzten Jahr durch jede Menge Trennungs- und Herzschmerz geschlittert. Und weil ich schon dabei war durch die Scheiße zu sliden, habe ich dann auch gleich noch eine rutschige Pfütze voll von toxischem Dating mitgenommen. Bei all dem habe ich nicht nur einmal das Gleichgewicht verloren. Was ich mich also frage, ist: Was muss eigentlich noch passieren, damit auch ich mal damit beginne, endlich ein paar Schutzmechanismen für mein Herz zu errichten?

Ich hätt‘s gern uNnkoMmpLIiizZZieRT

Wenn ich das richtig verstanden habe, geht es beim Casual Dating aber nicht immer nur um Selbstschutz. Es geht auch um Zeit, Geld und Commitment. Denn das sind Dinge, die möchten manche Menschen nun einmal nicht in ihre Situationships investieren. Okay, so weit, so gut. Auch, wenn ich mich ehrlicherweise frage, wie gut Sex denn wirklich sein kann, wenn man gleichzeitig aber so wenig Energie wie möglich für jemanden aufbringen möchte. Trotzdem kann ich dieser Logik noch irgendwie folgen. Das Leben ist hart und Zeit knapp. 

Doch dann reden diese Leute, die gut im zwanglosen Daten sind, darüber wie angenehm unkompliziert das doch alles sei, während sie sich im nächsten Atemzug den Kopf darüber zerbrechen, ob ein bisschen mehr Kuscheleinheiten – ja vielleicht sogar mal eine Übernachtung – denn auch im Deal enthalten sein könnte. Bro, wie können zwischenmenschliche Beziehungen, in denen man kaum etwas über die Gefühle, Gedanken und Bedürfnisse des Gegenübers weiß, denn wirklich „unkomplizierter“ sein?, frage ich mich dann.

Menschen sind nun mal komplex. Wenn sich also zwei von diesen irdischen Wesen aufeinander einlassen, dann kann es doch gar nicht so gar nicht kompliziert sein. Auch wenn ich den Begriff „kompliziert“ an dieser Stelle sehr gerne mit „menschlich“ austauschen würde. Es ist eben menschlich, Bedürfnisse zu haben, die unter Umständen nicht immer mit dem Gegenüber übereinstimmen. Deal with it. Ein Minimum an ehrlicher Kommunikation und Bewusstsein für die Lebensrealität des Anderen ist meiner Meinung nach unvermeidbar, wenn man (regelmäßig) miteinander schläft. Zumindest ist es das, was ich mir für diesen Erdball wünschen würde.

Zählt all das dann noch zu „zwanglos“? 

I doubt it. Aber wie wir gerade erörtert haben, bin ich ja auch alles andere als die beste Vergleichsgröße. Was nicht bedeuten soll, dass ich nicht offen für andere Erfahrungen bin. Ich lerne gerne mehr Neues über die schönen Seiten des Casual Dating. Wenn also jemand Tipps hat, hit me up!


Von Lilly (27): Lilly ist Fan von arabischem Kaffee und ein absoluter Gefühlsmensch, der unglaublich viel Liebe und Empathie für seine Mitmenschen aufbringen kann. Dass so viel Empfindsamkeit auch ziemlich anstrengend sein kann, davon erzählt sie in ihren Texten – die oft von Liebe, Gefühlen und Zwischenmenschlichem handeln. Oder von der großen, weiten Welt, von der sie nicht genug bekommen kann. 

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