Vorfreude ist die schönste Freude, oder?


Als Kind habe ich mich immer total auf Weihnachten oder meinen Geburtstag gefreut. Die Nacht vor meinem Geburtstag konnte ich oft gar nicht schlafen, weil ich so aufgeregt war. Es gab ja schließlich auch schon Kuchen und Geschenke zum Frühstück. Fragen wie “Wie wird mein Kuchen verziert sein?”, “Bekomme ich das Buch, das ich mir gewünscht habe?” oder “Was für einen Kindergeburtstag werde ich haben?” brachten mein beinahe sieben-jähriges Ich um den Schlaf. 

20 Jahre später

Jetzt bin ich fast 27 und schlafe (wie jedes Jahr) vorher wie ein Stein, esse in der Regel keinen Kuchen zum Frühstück, sondern gehe meistens mit meinen Eltern auswärts frühstücken. Fragen wie “Wo gehe ich am besten mit meinen Eltern hin, sodass alle was zu essen finden?” beschäftigen mein jetziges Ich zwei Wochen vor meinem Geburtstag. Die intensive Vorfreude, die ich als Kind verspürt habe, bleibt irgendwie aus. Denn: Ich bin jetzt sowas wie erwachsen, ich kann theoretisch immer Kuchen zum Frühstück essen und mir ist mein Schlaf viel zu wichtig, als dass ich die Nacht davor mit Gedanken daran verbringen würde, was sich die Menschen um mich rum so für mich überlegt haben. Eigentlich schade, oder nicht?

Psychologisch gesehen …

…, liegt das daran, dass die Vorfreude auf ein bestimmtes Ereignis nicht mehr so intensiv ist, je häufiger es schon erlebt wurde. Geburtstage hatte ich jetzt schon fast 27 an der Zahl und in der Regel passiert nichts sonderlich Aufregendes oder Überraschendes. Denn wenn man erwachsen ist, hat man alternative Möglichkeiten, dafür zu sorgen, dass bestimmte Ereignisse eintreffen, weil man sie sich einfach selbst ermöglichen kann. Fluch und Segen zugleich. Außerdem ist natürlich die Sorge vor Enttäuschung viel größer. Weniger Erwartung = weniger Enttäuschung. Aber dazu ein andermal mehr. Ich hab also manchmal das Gefühl, ich empfinde weniger Vorfreude als früher.

Ich bin außerdem schon ein eher zukunftsorientierter Mensch, wie ich festgestellt habe – und liebe die Vorfreude vielleicht deswegen auch mehr als andere. Menschen, die gegenwartsorientiert sind, erfreuen sich eher an dem, was gerade ist. Das mache ich schon auch. Es ist jetzt nicht so, dass ich die schönen Ereignisse im Moment nicht genießen würde. Aber gerade, wenn es beispielsweise mal mit der Masterarbeit nicht so läuft, gibt mir der Gedanke an ein Essens-Date mit meiner besten Freundin nächste Woche ein gutes Gefühl. 

Die großen und kleinen Dinge

Manchmal vermisse ich diese zauberhafte, kindliche, aufregende Vorfreude auf solche Ereignisse. Dieses Aus-Aufregung-Nicht-Schlafen-Können, weil ich mich umso mehr freue, je näher das Ereignis rückt. Wann ich das das letzte Mal hatte, weiß ich nicht. Aber das muss auch gar nicht sein, habe ich für mich beschlossen.  

Denn je länger ich über diese ganze Vorfreude-Sache nachdenke, umso mehr fällt mir auf, worauf ich mich dieses Jahr schon alles freuen kann: auf meine Berlin-Reise (wurde Dank Streik abgesagt lol) und dass ich endlich wieder die ganzen Leute dort sehe, auf unseren Freundschaftstag inklusive Sleepover, auf ein Wochenende, das ich mit meiner Familie verbringen werde, auf ein Festival, auf Glitzer im Gesicht, auf meinen Sommerurlaub, generell wieder auf längere Tage, auf das Gefühl, wenn ich meine Masterarbeit abgegeben habe und auf ganz viele Momente, die noch gar nicht in Planung sind, sondern vielleicht auch spontan entstehen.

Es müssen nämlich auch gar nicht immer so super krass aufregende Dinge sein, auf die ich hinfiebere. Es reicht auch, wenn ich abends nach Hause komme und ich weiß, dass ich ein neues Rezept mit meiner WG ausprobiere oder dass mein Freund und ich am Wochenende ins Kino gehen. 

Ich glaube, deshalb plane ich auch einfach gerne: weil ich mich dann immer auf was freuen kann. Und nicht, weil ich ein Kontrollfreak bin, der ständig alles komplett durchgeplant haben muss. 👀


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Von Cilli (fast 27): Cilli gibt gerne Blödsinn von sich. Deshalb sind auch hier die ein oder anderen Texte mit ihrer zynischen Ironie gespickt, die uns alle immer wieder zum Lachen und Nachdenken bringt (“war das jetzt ernst gemeint?”). Sie ist außerdem eine wunderbare Zuhörerin, weshalb sie sich regelmäßig in die Lage anderer hineinversetzt und daraus einfühlsame Porträts zaubert. Und gerne Bibi und Tina hört/guckt.

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