Es ist nicht immer einfach, als Single mit vielen vergebenen Personen befreundet zu sein. Das “fünfte Rad am Wagen” zu sein, war auch für mich schon hin und wieder ein Albtraum-Szenario. Plot-Twist: Mittlerweile genieße ich es sogar, als third wheel einen ganz anderen Einblick in die Beziehungen um mich herum zu bekommen.
Ich habe das Third-Wheeling-Game durchgespielt. Spätestens seit Anfang August kann ich das wirklich mit voller Überzeugung sagen. Ich sitze mit einer Freundin und ihrem Freund in der WG-Küche und es geht darum, was die beiden einer anderen Person aus unserem Freundeskreis zum Geburtstag schenken werden. Sie erzählt von einem Buch, über das sie mit dem Geburtstagskind mal gesprochen hat und das sie und ihr Freund ihm nun schenken wollen. Hm, coole Idee, ich habe wirklich noch gar keinen Geschenk-Plan. Das sage ich den beiden auch und so überlegen wir zusammen weiter. Fragt mich nicht, wie es dann dazu gekommen ist, aber eine Woche später überreiche ich gemeinsam mit dem besagten Freund meiner besten Freundin ein Geburtstagsgeschenk, während sie das Buch alleine verschenkt. Wirklich komisch findet das niemand, schließlich sind wir alle sehr eng befreundet und machen bei Geschenken häufig gemeinsame Sache. Über meine Third-Wheeling-Erfahrungen habe ich mir seitdem aber mehr Gedanken gemacht.
Drei bis fünf Räder

Im Auto-verliebten Deutschland wird third wheeling gerne mit „fünftes Rad am Wagen sein“ gleichgesetzt. Das aber wiederum bedeutet überflüssig oder unerwünscht zu sein und gibt ein viel negativeres Bild von third wheeling wieder, als ich es erlebe. Eigentlich mag ich meine Third-Wheeling-Aktivitäten meistens ganz gerne und wenn mich nicht alle meine befreundeten Pärchen durchgehend angelogen haben, ist es für sie auch nicht unerwünscht oder überflüssig, mit mir Zeit zu verbringen.
Platonische Freundschaften hatten in meinem Leben schon immer einen hohen Stellenwert – wahrscheinlich auch, weil ich selbst noch nie in einer Beziehung war. Häufig war ich dann natürlich auch schon in der Situation, dass Freund:innen von mir Beziehungen eingegangen sind. Und mir war es immer wichtig, die Partner:innen kennenzulernen, mich bestenfalls super mit ihnen zu verstehen und schlimmstenfalls zumindest easy Zeit mit ihnen verbringen zu können. Ich habe mich schon bei romantischen Filmabenden eingeklinkt, mit Pärchen Plätzchen gebacken oder gemeinsame Koch-, Trink- und Spieleabende gestartet. Ich habe mich von Pärchen therapieren lassen und manchmal auch schon die (überaus unqualifizierte) Paartherapeutin gespielt. Ich war mit Pärchen auf Shoppingtour, habe mit ihnen Silvester gefeiert und Wochenendrips unternommen. Meistens wirklich als third wheel, aber auch das fifth, seventh oder ninth wheel zu sein, ist mir nicht fremd.
Lasst mich da raus…
An sich ist das ja auch erstmal gar nichts Besonderes. Vor allem wenn man beide Personen schon unabhängig voneinander gekannt hat, bevor sie zusammengekommen sind (meine liebste third-wheeling-situation), ist es kaum etwas anderes, als einfach mit zwei Freund:innen Zeit zu verbringen. Manchmal kommen dann aber doch Situationen auf, die es „einfach mit zwei Freund:innen“ so nicht geben würde. Ganz schlimm ist es, wenn plötzlich ein Pärchenstreit oder eine Zickerei ausbricht, meistens auch noch aus einem mir unersichtlichen Grund, und ich gar nicht mehr weiß, wie ich mich verhalten soll.
Auch nicht einfacher: Weitaus mehr über die Beziehung zu wissen als eine:r der Involvierten: Ein Freund hat mir mal erzählt, dass er die Exklusivität mit seiner gerade exklusiven Freundschaft plus doch nicht mehr so fühlt. Wenn sie dann bei einem gemeinsamen Kochabend noch nichts von seinen neuen Gedanken weiß und spaßeshalber fragt, was er denn so mit anderen Frauen treibt, ergibt das eine sehr unangenehme Situation für das third wheel.
…oder nehmt mich lieber mit!
Abgesehen von solchen, ehrlicherweise auch eher selten vorkommenden Situationen, fühle ich mich als third wheel aber erstaunlich wohl. Und nachdem ich mir die teilweise nahezu verzweifelten Beiträge auf Brigitte (von „Manchmal fühle ich mich wie eine Freundin zweiter Wahl“ bis “Ich meide Paare – sie langweilen mich”) durchgelesen habe, merke ich, dass ich mich wirklich glücklich schätzen kann.
Designierte Pärchenabende, bei denen keine Singles zugelassen wären, gibt es in meinem Freundeskreis (noch) nicht. Glücklicherweise sind auch keine Pärchen unter meinen Freund:innen, die auf übertriebene PDA stehen (zumindest nicht, wenn sie nüchtern sind) und es damit für eine dritte Person unangenehm machen würden. Die Partner meiner Freund:innen flirten nicht mit mir (und wenn doch, ausschließlich auf einer übertriebenen, freundschaftlichen, witzigen Ebene) und ich wüsste nicht, dass mich meine vergebenen Freundinnen als Konkurrenz sehen oder mein verkorkstes Liebesleben zu ihrer Unterhaltung ausnutzen würden. Okay, Letzteres vielleicht doch manchmal, aber ganz ehrlich – bei dem Entertainment-Faktor kann ich ihnen das auch wirklich nicht verübeln.
Ich weiß nicht, ob sich das ändern würde, wenn aus Beziehungen Ehen und aus Pärchen Familien werden, aber das soll für den Moment auch nicht meine Sorge sein. Bis dahin genieße ich es einfach weiterhin, Einblicke in die Beziehungen um mich herum zu bekommen und vielleicht sogar etwas daraus für eine etwaige zukünftige eigene Beziehung mitzunehmen. Fahrradfahren lernt man schließlich auch erst mal mit einem Dreirad.

Von Lena (25): Lena ist kein nachtragender Mensch. Aber über die Unkreativität ihrer Eltern bei der Namensgebung ist sie immer noch nicht ganz hinweg. Als hätte unsere Generation nicht schon genug damit zu tun, sich ständig abzuheben, muss Lena sich auch noch im Meer der Lenas behaupten. Sie fasziniert die Menschen um sich herum als Zuhörerin und Freundin. Als wissbegieriges Kind und seriöse WDRlerin. Als aufmerksame Beobachterin und politisch interessierte Journalistin.