Hilfe – soll ich jetzt etwa wissen, was ich vom Leben will?

So. Jetzt bin ich also im Endspurt meines Masters. Wobei es sich eher anfühlt wie ein Spaziergang – aber nicht so ein super entspannter, bei dem ich mich umschaue und die Landschaft genieße. Mehr so einer, bei dem ich ständig auf die Uhr schaue oder die Augen zusammenkneife, um zu sehen, was am Ende des Weges ist: Ich kann es nicht erkennen. 


Es ist fast egal, mit wem in meinem Alter ich mich momentan unterhalte: Nahezu alle haben dieses Problem. Was kommt dann? Was kommt nach meinem Bachelor? Was kommt nach meinem Master? Ich sage immer „und dann mache ich was anderes.“ – „Ah und was?“ „Ja!“ – mehr kann ich dazu nicht sagen. 

Denn wie Fanta4 und Herbert Grönemeyer schon so schön gesagt haben: 

Denn wir wollen eh keine Arbeit. 

Wollen nur jede Menge Geld. 

Wenn es geht keine Fragen, 

die uns irgendjemand stellt. 

Es könnt‘ alles so einfach sein. 

Ist es aber nicht. 

Ich hab’s doch schon mit dem Eurojackpot versucht! 

Hat das Schweben mal ein Ende? 

Seit Jahren weiß ich, dass mein Studium irgendwann ein Ende haben wird. Ich hatte immer Angst davor. Der Zeitpunkt rückt näher und näher.

Ehrlich gesagt, befinde ich mich an dem Punkt, an dem ich so langsam nicht mehr studieren will, sondern bereit bin für ein Leben als Erwachsene. Irgendwie fühle ich mich aber auch noch nicht so weit, ab März jede Woche vierzig Stunden zu arbeiten. So ein richtiger Job. Mit richtiger Verantwortung. Mit geregelten Arbeitszeiten. Ich will weder das Eine, noch das Andere. Dieser ewige Schwebezustand – den will ich aber auch nicht.

Am liebsten hätte ich es so wie bei 1,2 oder 3… ich springe ein bisschen auf den Feldern rum, entscheide mich dann für irgendwas und ob ich wirklich richtig steh, seh ich, wenn das Licht angeh(t). Das passt dann schon und wenn‘s doch nicht die Erleuchtung ist, hüpfe ich halt noch mal. Brauche mehr Optionen? Nein danke. Wobei – ich bin mir sicher, dass ich mich beschweren würde, hätte ich nur drei Optionen für einen Job. Andererseits traue ich mich nicht mal, mich für meinen “Traumjob” zu bewerben – was ist, wenn ich ihn nicht bekomme?

Ein neuer Lebensinhalt?

Ich möchte etwas, das mir Spaß macht. Mich vielleicht sogar erfüllt. Ich scheine doch hohe Erwartungen an meinen ersten richtigen Job zu haben. Obwohl ich mir immer sage: Es ist dein Job – nicht dein Leben. Ich beneide die Menschen, die in ihrem Beruf ihre Berufung gefunden haben. Die jeden Tag gerne zur Arbeit gehen, die darüber reden können, ohne dass sie sich permanent aufregen. 

Eine Freundin meinte neulich, dass sie unbedingt einen Job will, der richtig geil ist. In dem sie richtig gut ist. Der sie erfüllt. Im selben Atemzug hat sie gesagt: „Andererseits sage ich immer, wie bescheuert ich es finde, wenn Menschen ihren Lebensinhalt in Ehe, Kindern und Haus sehen. Dabei mache ich genau das gleiche mit meinem Job.“ – Ja, was soll denn mein Lebensinhalt eigentlich sein? Job, Familie, Freund:innen, eine riesige Katzenfamilie, alles davon? Ich weiß es nicht. 

Mein jetziger Job ist auch nicht mein Lebensinhalt. Trotzdem mache ich ihn gewissenhaft und gern – nicht zuletzt wegen der Menschen. Eine Aufgabe haben – wichtig. Keine Aufgabe haben und sich langweilen – das Schlimmste, was mir bei einem (neuen) Job passieren kann. 

Corona ist Schuld – Safe. 

Ich fühle mich noch nicht bereit, ins Arbeitsleben zu starten. Gefühlt habe ich noch nicht alles erlebt, was ich davor hätte tun sollen/können/wollen. Meinen Bachelor-Abschluss habe ich mitten im Lockdown gemacht. Das neue Studium währenddessen angefangen. So einen richtigen Uni-Alltag hatte ich nicht. Ist es das, was fehlt? Das spontane Weggehen nach der Uni, der Kaffee zwischen Vorlesung und Seminar, Mittagessen vor der Uni oder gemeinsames Mensen. Alles nicht dagewesen. Können wir das jetzt im letzten Semester, während wir unsere Arbeiten schreiben, noch nachholen und dann ist Vollzeit arbeiten kein Problem? I doubt it. 

Meistens hab ich ja Angst vor den Veränderungen, aber wenn sie dann da sind, dann passt das schon. Aber diesmal kommt die Veränderung nicht einfach so – ich muss sie mal wieder aktiv ansteuern. Eigentlich hab ich auch Lust und bin bereit. Die ewige Frage und das dazugehörige Schwebegefühl bleiben trotzdem: Was kommt dann? 


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Von Cilli (26): Cilli gibt gerne Blödsinn von sich. Deshalb sind auch hier die ein oder anderen Texte mit ihrer zynischen Ironie gespickt, die uns alle immer wieder zum Lachen und Nachdenken bringt (“war das jetzt ernst gemeint?”). Sie ist außerdem eine wunderbare Zuhörerin, weshalb sie sich regelmäßig in die Lage anderer hineinversetzt und daraus einfühlsame Porträts zaubert.

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