Mein Problem mit dem Sharing

„Sharing is caring“ – der Spruch gehört zwar eigentlich nicht in den Kontext von Freund:innenschaften und doch könnte man irgendwie sagen, dass es ein Erfolgsrezept dafür ist: Du vertraust mir etwas an, ich vertraue dir etwas an. Dadurch sind wir auf einer ähnlichen Wissensebene und verstärken das Band, das wir zwischen uns knüpfen. Auch die Wissenschaft zeigt, dass dieses gegenseitige Anvertrauen Freund:innenschaften stärker, intensiver und bedeutungsvoller macht. Und trotzdem fällt es mir oft schwer, mich darauf einzulassen. 

Aperol und Ankerpunkte: Das Labyrinth der Vergesslichkeit

Ich konnte mir noch nie gut Dinge merken. Vieles schafft es gar nicht erst in mein Langzeitgedächtnis. Aber ich merke deutlich, dass das Vergessen und gedankliche Abdriften bei mir in den letzten Jahren immer extremer geworden ist. Ich glaube, dass das etwas mit meinem Lebensstil zu tun hat: die ständige Konfrontation mit Reizen, wenig Beständigkeit, das Reinziehen von Social Media Content, der für eine extrem kurze Aufmerksamkeitsspanne konzipiert ist. Vor allem aber der übermäßige Konsum von Alkohol im Freundeskreis – gerade im Sommer.

Aliens, Trump und der kleinste gemeinsame Nenner

“Reisen macht weltoffener, Reisen macht toleranter.” Wir alle kennen diese Phrasen und haben sie vielleicht schon so oft gehört, dass wir sie in vielen Fällen für unterprivilegierten Bullshit halten. Und natürlich ist Reisen nicht gleich Reisen und ein all-inclusive Aufenthalt in Griechenland macht vielleicht allenfalls offener für Ouzo. Wenn man allerdings einen Monat lang in einem Hostel mit Menschen lebt, die an Aliens, Avatar und die Macht Trumps glauben, verlässt man irgendwann unweigerlich seine Comfort Zone. Und auch wenn sich an meiner Weltanschauung nichts verändert hat, doch zumindest an Art und Weise, wie ich anderen begegne. 

„Sei Pippi, nicht Annika!“ – mein Problem mit den Abenteuern

Ein halbes Jahr in Kanada auf die Schule gehen, nach dem Abi mehrere Monate um die Welt reisen oder ein Auslandssemester in Dublin, Riga oder Seoul. Viele Menschen in meinem Umfeld haben genau diese Erfahrungen auf ihrer Bucket List abgehakt. In einem fremden Land ganz auf sich allein gestellt zu sein – das klingt für ganz schön viele als DER Traum schlechthin. Nur nicht für mich.

Planlos im Scanner-Modus

Scanner, das sind Menschen, die viele verschiedene Interessen und Fähigkeiten haben. Und zu denen ich mich – seit ich weiß, dass es diesen Persönlichkeitstyp überhaupt gibt – zugehörig fühle. Aber was sich erst mal nach einem mit Hobbys und Leidenschaften gefüllten Leben anhört, kann insbesondere im Arbeitskontext problematisch sein. Denn unser Arbeitsmarkt ist größtenteils nicht auf Scanner-Persönlichkeiten ausgerichtet. Wie ermüdend dieser Scanner-Mode also vor allem im Hinblick auf berufliche Ziele sein kann, ist mir gerade in den letzten Monaten schmerzhaft bewusst geworden.

Selbsterfahrungs-Overload: Vom Arbeiten in der Denkfabrik

Wenn ich meinem letzten Jahr eine Überschrift geben würde, dann wäre es: Anstrengend. Ich bin ehrlich: Über sich hinauswachsen hin oder her – ich habe wirklich überhaupt keinen Bock mehr auf dieses ständige Arbeiten an meinen Denk-, Verhaltens- und Beziehungsmustern. Leben, bitte verpiss dich mit deinen Felsbrocken und deinen als „spannend“ und „heilsam“ verkleideten Selbsterkenntnissen, die sich dann als pure Arbeit entpuppen. ICH MÖCHTE JETZT BITTE MAL NICHTS MEHR ÜBER MICH SELBST LERNEN, DANKE. Nicht Denken, nicht Hinterfragen und auch nicht Analysieren. Nicht einmal wachsen und gedeihen möchte ich. Ich will verdammt nochmal einfach nur existieren. Nette Idee, schwierig in der Umsetzung.

Unterwegs in den Tunneln des Lebens

Ich bin oft im Tunnel – vor allem bei der Arbeit. Ich spüre, dass ich deshalb immer weniger im Moment präsent bin. Dass es nicht gut ist, wenn man permanent über lange Zeiträume hinweg die Verbindung zur Außenwelt verliert. Ich stelle mir gerade die Frage: Wie oft bin ich hochgerechnet eigentlich überhaupt im Hier und Jetzt? Und wenn ich am Ende meines Lebens dann zurückblicke: War es das wert?