Umbruch im Urlaub: Reise zur inneren Balance

Zu viel Arbeit, zu wenig Raum für eigene Gedanken und Hobbies. Ich habe ein Work-Life-Balance-Problem und kenne sogar den Grund dafür. Deshalb habe ich mir fest vorgenommen, meinen Urlaub jetzt dazu zu nutzen, diesem Problem den Kampf anzusagen.


Manchmal frage ich mich, ob ich mir selbst ein Schnippchen schlage. Ich habe mir diesen Ort geschaffen, an den ich mich flüchte, ein Ort, der meine Gedanken verschlingt und gleichzeitig meine gesamte Konzentration fordert: die Arbeit. Es ist, als steckte ich all meine Energie in diesen Ort, weil ich weiß, dass danach keine Kraft mehr übrig ist, um mich meinen eigenen, persönlichen Gedanken und Problemen zu stellen. Ein Trick? Vielleicht. Ein gehacktes System? Definitiv.

Toxische Ratschläge

Wenn die eigenen Gedanken wie Zukunftsängste, Liebeskummer oder allgemeine Überforderung mal wieder zu viel werden, einfach der Arbeit mehr Raum geben, anstatt sich um die eigenen Baustellen zu kümmern. Kann ich sehr empfehlen, klappt bei mir immer.

Das Problem ist: Wenn die Arbeit dann vorbei ist und es plötzlich still wird, hat man den Salat. Dann quetschen sich die Zweifel und Sorgen wie durch ein hauchdünnes Netz mit winzigen Maschen an die Oberfläche und wollen das Lager übernehmen. Das passiert bei mir vor allem nachts, sodass der Versuch, zu schlafen, oft zur Herausforderung wird. (Das Problem mit dem Nicht-schlafen-können kennt Alex übrigens auch.)

An dieser Stelle meine toxische Lösung Nummer 2: Einfach keine Stille entstehen lassen! Verabreden, ablenken, verabreden, ablenken. (Nachts wird das natürlich schwierig. Aber dann einfach vorher verabreden, damit man abends so müde ist, dass man direkt einschläft.)

Weil ich immer wieder merke, dass dieser Lebensstil auf so vielen Ebenen nicht gut für mich ist, habe ich mir vorgenommen, dass jetzt Schluss damit sein soll. Ich habe beschlossen, diesen Zyklus zu durchbrechen.

Und der beste Zeitpunkt, um damit anzufangen, ist womöglich genau jetzt, weil heute mein Urlaub beginnt. Mein sicherer Hafen Nummer eins. Die Arbeit ist also für eine Weile nicht verfügbar, um ihre abschirmenden Arme um mich zu legen.

„Fee, jetzt ist die Zeit für neue Hobbys“

An meinem letzten Arbeitstag am Freitag habe ich meinen Lieblingsarbeitskollegen gefragt, was ich denn jetzt mit der ganzen Freizeit anfangen soll. Sein Tipp: „Fee, jetzt ist die Zeit für neue Hobbys.“ Danach hat er mir einen Amazon-Link zu einem Urzeitkrebse-Zuchtset geschickt.

Es gibt viele Dinge, für die ich mich mega begeistern kann: mit Kohle- oder Holzstiften Menschen oder Pflanzen zeichnen und danach schwarze Graphithände haben; viel zu aufwendige Torten, Kuchen oder Brot backen und meine Mitbewohner:innen damit füttern; mich mit selbstgemachter Musik in ferne Traumwelten träumen; kreatives Chaosbasteln und dabei alles mit Kleber und Glitzer versauen. I LOVE IT. Aber all diese Dinge bleiben meistens auf der Strecke, vernachlässigt und vergessen. Manchmal fühle ich mich meinen Hobbys gegenüber wie eine schlechte Partnerin, weil ich mir kaum Zeit für sie nehme. Aber gut, dass Hobbys nicht nachtragend sind. Also kann ich ja einfach wieder angekrochen kommen und wir können es vielleicht nochmal versuchen.

Nicht der Typ für Meditation

Jetzt könnte man sagen: „Aber jetzt lenkst du dich ja mit den Hobbys schon wieder ab, um dich nicht mit dir selbst auseinandersetzen zu müssen!“. Tatsächlich ist das aber ein großer Unterschied. Wenn ich Dinge mache, bei denen ich runterkommen kann, bringen sie mich näher zu mir selbst. Ich denke dabei auch nach und sehe Dinge danach klarer.

Und ich glaube, ich bin auch einfach nicht der Typ für Yoga, Meditation und Gedanken aufschreiben. Auch wenn ich immer voll beeindruckt von meinen reflektierten Freundinnen bin, die sich gefühlt alle regelmäßig mit sich selbst, ihren Gedanken und ihrem Körper beschäftigen. Ich bin innerlich viel zu sprunghaft für solche Prozesse und Routinen.

Ich versuche jetzt mehr schöne Dinge zu machen, auf die ich gerade Bock hab. Ich habe zum Beispiel gerade Riesenbock, endlich mal wieder meine Bastelschublade aufzumachen. Vielleicht verbessere ich mein Sauerbrotteig-Game, übe das Zeichnen von Nasen, züchte sogar echt bald Urzeitkrebse, einfach um es mal auszuprobieren.

Und ich hoffe, dass ich wieder merke, wie gut all das tut, und es mir dadurch gelingt, auch nachhaltig ein FETTES Stück mehr Life in mein Work-Life zu packen.


Von Fee (29): Während Fee sich früher noch Kurzgeschichten über böse Punker ausgedacht hat, schreibt sie heute als Journalistin lieber Texte über die Gefühle ihrer Generation, über gesellschaftliche Missstände und inspirierende Menschen. Manchmal macht sie auch einen Fernsehbeitrag darüber. Ihr Mitbewohner sagt, sie wäre etwas zu vorwitzig und sollte weniger Fragen stellen, aber sie sieht das anders. Immer am Start: Empathie, der Wunsch, mehr von der Welt zu sehen und Hündin Martha.

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