Aperol und Ankerpunkte: Das Labyrinth der Vergesslichkeit

Ich konnte mir noch nie gut Dinge merken. Vieles schafft es gar nicht erst in mein Langzeitgedächtnis. Aber ich merke deutlich, dass das Vergessen und gedankliche Abdriften bei mir in den letzten Jahren immer extremer geworden ist. Ich glaube, dass das etwas mit meinem Lebensstil zu tun hat: die ständige Konfrontation mit Reizen, wenig Beständigkeit, das Reinziehen von Social Media Content, der für eine extrem kurze Aufmerksamkeitsspanne konzipiert ist. Vor allem aber der übermäßige Konsum von Alkohol im Freundeskreis – gerade im Sommer.

Alles scheiße, außer Sommer

Auf Sommer folgt Herbst. Und auf Herbst folgt Winter. Das ist gut so – und soll auch ganz dringend so bleiben. Nicht nur, weil unsere Ökosysteme von diesem Kreislauf abhängen. Wenn es allerdings nach meinem eigenen, innerem Ökosystem gehen würde, dürfte das Thermometer die 20 Grad nicht unterschreiten – weil weder mein Körper noch mein Kopf sonderlich gut auf Kälte und Dunkelheit klarkommen. Viel schlimmer als der Winter an sich ist aber der Wirbel, den ich jedes Jahr um seine Ankunft mache. Weil mein wochenlanges Meckern und Murren die Situation für mich eigentlich noch viel unerträglicher machen.