Wir haben auf dieser Erdkugel den Punkt erreicht, an dem achtjährige Mädchen auf TikTok für Faltencreme werben. Dass Social Media unrealistische Schönheitsideale verbreitet, ist schon lange nix Neues mehr – aber gefühlt wird es immer krasser und ich frage mich, wie weit das noch gehen soll. Gibt es bald an Bahnhaltestellen frei zugängliche Automaten mit Botox2go? Müssten wir nicht irgendwann mal an den Punkt kommen, an dem es nicht mehr weitergehen kann?
Beiträge
Vom „zwanglosen“ Dating und warum Lilly katastrophal schlecht darin ist
Wenn ich eine Liste meiner Stärken auf Papier bringen müsste, würde „Casual Dating“ eindeutig den allerletzten Platz belegen – noch weit hinter Mathe und Excel. Casual Dating – sich „zwanglos“ Treffen – eine Praxis, die mir wirklich alles andere als vertraut ist. Das Problem fängt schon damit an, dass meine Phantasie nicht ausreicht, um mir vorzustellen, was zwischen zwei Menschen denn so passiert, wenn sie sich nur auf ganz „locker“ daten. Sex und Smalltalk und dann ab nach Hause? Sex und schweigen? Kuscheln, ja, nein? Gemeinsam trinken top, zusammen essen flop? Wo endet Zwanglosigkeit und was ist die Grenze zum Intimen?
Angepasst oder angepisst?
Durch meine Masterarbeit habe ich mich sehr viel mit Gender und der Erziehung von Mädchen zur ‚richtigen‘ Frau auseinandergesetzt. Was soll ich sagen? Ich fand’s vorher schon alles viel zu crazy, aber mittlerweile fallen mir einfach noch tausendmal mehr Dinge auf und die Augen zeitweise aus dem Kopf. Ein Mädchen wird systemintern dazu erzogen, lieb, brav und nett zu sein. Freche Mädchen sind witzig – solange sie klein sind, werden aber später nicht ernst genommen. Frau sollte sich also schon angepasst verhalten. Bloß nicht ‚uncool‘ oder ‚hysterisch‘ wirken, auch wenn schon mal sexistische Kommentare kommen. Einfach mitlachen und darüber hinwegsehen. Hab’ ich viel zu oft gemacht.
Bitte nicht ansprechen!
Vor kurzem war ich neidisch auf eine Schnecke. Dabei haben Schnecken wirklich nicht viele beneidenswerte Eigenschaften: Sie sind langsam und glibschig und es besteht immer die Gefahr, dass sie von einem rücksichtslosen Kind, das seinen Fußball in der Spielplatzhecke sucht, zertrampelt werden. Nein, auf all diese Eigenschaften bin ich nicht neidisch. Dafür aber auf ihr Schneckenhaus, in das sie sich einfach jederzeit und überall zurückziehen können, wenn sie gerade nicht mit anderen Schnecken interagieren wollen.
Planlos im Scanner-Modus
Scanner, das sind Menschen, die viele verschiedene Interessen und Fähigkeiten haben. Und zu denen ich mich – seit ich weiß, dass es diesen Persönlichkeitstyp überhaupt gibt – zugehörig fühle. Aber was sich erst mal nach einem mit Hobbys und Leidenschaften gefüllten Leben anhört, kann insbesondere im Arbeitskontext problematisch sein. Denn unser Arbeitsmarkt ist größtenteils nicht auf Scanner-Persönlichkeiten ausgerichtet. Wie ermüdend dieser Scanner-Mode also vor allem im Hinblick auf berufliche Ziele sein kann, ist mir gerade in den letzten Monaten schmerzhaft bewusst geworden.
Ab ins Schneckenhaus: Wenn die Luft zum Atmen fehlt
„Wenn ich dir zu viel bin, musst du das sagen,“ hat neulich jemand zu mir gesagt. „Ja, es ist gerade zu viel, ich brauche ein bisschen Freiraum“, habe ich gedacht. Gesagt habe ich aber „Nee, alles gut, ich würde das dann schon sagen.“ Eigentlich bin ich eine ehrliche Haut, aber in solchen Situationen werde ich automatisch zur notorischen Lügnerin.
Selbsterfahrungs-Overload: Vom Arbeiten in der Denkfabrik
Wenn ich meinem letzten Jahr eine Überschrift geben würde, dann wäre es: Anstrengend. Ich bin ehrlich: Über sich hinauswachsen hin oder her – ich habe wirklich überhaupt keinen Bock mehr auf dieses ständige Arbeiten an meinen Denk-, Verhaltens- und Beziehungsmustern. Leben, bitte verpiss dich mit deinen Felsbrocken und deinen als „spannend“ und „heilsam“ verkleideten Selbsterkenntnissen, die sich dann als pure Arbeit entpuppen. ICH MÖCHTE JETZT BITTE MAL NICHTS MEHR ÜBER MICH SELBST LERNEN, DANKE. Nicht Denken, nicht Hinterfragen und auch nicht Analysieren. Nicht einmal wachsen und gedeihen möchte ich. Ich will verdammt nochmal einfach nur existieren. Nette Idee, schwierig in der Umsetzung.
Der Lärm der Stille
Stille – ein Zustand, der sowohl popkulturell als auch in meinem Umfeld mit extrem gegensätzlichen Vorstellungen und Emotionen konnotiert ist. In der ARD-Schmonzette setzt sich die die von der trubeligen Großstadt ermüdete Workaholic-Beate in das mecklenburgische Hinterland ab und schwärmt von der „herrlichen Stille“, die ihr endlich wieder Raum zum Atmen und Nachdenken gibt. Eine Freundin von mir kann dank ihres neuen, stillen WG-Zimmers zum Hinterhof endlich wieder ungestört schlafen. Und dann gibt es Leute wie mich, für die Stille gar nicht still, sondern unerträglich laut ist; und damit ein Zustand, in den ich mich nur ungern reinbegebe.
Vorfreude ist die schönste Freude, oder?
Ich liebe den ersten Teil „Alles steht Kopf“ und freue mich jetzt schon auf den zweiten. Alex und ich gucken regelmäßig Disney-Filme zusammen und ich freue mich jetzt schon, wenn wir im Sommer zusammen ins Kino gehen und endlich auch mal einen auf der großen Leinwand schauen! Da kommt richtig Vorfreude auf. Ich fühle mich wie ein kleines Kind. Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude. Aber irgendwie ist das, seitdem ich erwachsen bin, alles ein bisschen anders. Oder?
To fight or not to fight – das ist hier die Frage
Vor kurzem habe ich mich das erste Mal „ernsthaft“ mit meinem Mitbewohner gestritten. Es ging eigentlich nur um eine Kleinigkeit: Wir waren uns uneinig darüber, wer wann was in der Küche aufräumen soll. Ein paar Minuten lang ging die Diskussion dann hin und her, bis ich meinte, dass mir das Ganze eigentlich egal sei und wir die Küche gerne auf seine Art aufräumen könnten. Und damit ging der eigentliche Streit erst los.