Hey na? – Von Chat-Eskapaden und belastenden Emojis

In den 80ern hat ein Typ namens Jarkko in Finnland den Online-Chat erfunden. Danke Finnland, das war neben salzigem Lakritz und Molotowcocktails zur Abwechslung mal eine richtig nice Erfindung. Denn miteinander Schreiben ist nicht nur praktisch, sondern eröffnet auch auf humoristischer Ebene ganz neue Möglichkeiten. Ich würde sogar sagen, so mancher Chatverlauf gehört ins Museum. Viele finden, ich übertreibe. Aber tu ich das wirklich?

In Bezug auf Chatkommunikation gibt es zwei Lager: „Die Schreiber:innen“ und „Nicht so die Schreiber:innen“. („Nicht so die Schreiber:innen“ kürze ich im Folgenden mit „Nisods“ ab.)

Schreiber:innen antworten oft schneller und ausführlicher und haben prinzipiell einfach mehr Bock auf den Austausch über Messenger-Apps als Nisods. Nisods brauchen öfter mal zwei bis acht Stunden oder Wochen um zu antworten, weil sie „einfach nicht so viel am Handy hängen“ und lieber „im real life reden“. Ist ja auch voll okay und wahrscheinlich auch besser für die Augen. Nisods sagen Dinge wie: „Ich bin so ein Mensch, der es bevorzugt, mit seiner Mimik und Gestik zu kommunizieren, statt mit Emojis.“

Ich liebe es, mein Handy anzugrinsen

Meine komischen Diss-Versuche verraten es schon: Ich schreibe gerne mit Leuten, bin also Team Schreiber:innen. Um genau zu sein, vergöttere ich ausgedehnte Chat-Eskapaden, weil ich finde, dass miteinander Schreiben eine zusätzliche Humor- und Bedeutungsebene aufmacht, die krasses Potenzial bietet. Nein, ich will nicht „stattdessen einfach kurz telefonieren“ – ich will schreiben und mir dann den Chatverlauf an grauen Tagen nochmal durchlesen, um wieder darüber zu lachen. Es gibt so viele Möglichkeiten, beim Schreiben witzige Gespräche zu führen, die face-to-face so gar nicht funktionieren würden. Natürlich rede ich auch sehr gerne persönlich mit Menschen. Aber das ist ein ganz anderer Kosmos.

An meinem Chat-Verhalten sind mir zwei Dinge aufgefallen: 

1. Ich schließe vom Schreibstil anderer immer direkt auf deren Humorlevel und stecke super schnell in Schubladen. Ein ernstgemeinter Affen-Emoji und ich bin leicht bis stark abgeturnt – daran sollte ich arbeiten.

2. Diese ausgedehnten Chat-Eskapaden, die ich so mag, habe ich nur mit Menschen, die ähnlich schreiben wie ich. Ähnlich in Bezug auf Emojis, das Schicken von zehn kurzen Nachrichten statt einer langen, und natürlich ganz allgemein humortechnisch. Ich hab das mal gegoogelt und eine Studie gefunden, die bestätigt: Menschen suchen Bekanntes, weil das Nähe und Vertrauen schafft.

Die Rote Liste der Emojis

Ich habe mal interessehalber ein paar Leute gefragt, in welchen Situationen sie meine persönlichen Hass-Emojis verwenden.

Hier die Antworten:

(Für all diese Emojis gilt die alte Faustregel: IrOniScH sInD diE NatÜrLicH iMmEr gErN GesEheN)

🙈

Mein 🙈-Szenario: „Ich bin so süß verpeilt ach Mensch hab ich schon wieder verschwitzt:)“ Ich hasse den Affen sehr. 

Für die Leute aus meiner Umfrage bedeutet 🙈:

„Was Peinliches, Unangenehmes, worüber man lachen muss.“

„Upsi.“

„Oh nein.“

„Shame on me“

„Facepalm“

😉

Ganz ganz dünnes Eis. Mein 😉-Szenario: Mein Gegenüber ist latent angepisst und möchte mich subtil aber bestimmt spüren lassen, dass ich Scheiße gebaut habe oder dumm bin.

Für die Leute aus meiner Umfrage bedeutet 😉:

„Merkste selber“

„War’n Witz, ne“

„Wenn was nicht ernst gemeint ist sondern als Spaß verstanden werden soll“

„Sexy time“

🤪

Mein 🤪-Szenario: Inge, 56, richtig crazy drauf heute, sitzt mit ihren Mädels aus dem Lesekreis im RE1, den erste Piccolosekt schon offen, und schickt ein Mädels-Selfie mit dem Untertitel „Auf nach Marburg 🤪“ in die Familiengruppe, damit ihre Kinder sehen, dass die Mama noch steilgehen kann.

Für die Leute aus meiner Umfrage bedeutet 🤪:

„Jemanden auslachen, aber hoffen, dass derjenige den Sarkasmus versteht“

„Frech“

„hahaha“

Wir halten fest: Eigentlich sind Emojis das Unwichtigste auf der Welt, aber man kann allen möglichen Scheiß reininterpretieren. Es gibt verschiedene Auffassungen von so ziemlich allem im Leben und bei sowas sind Missverständnisse immer vorprogrammiert.

Lustige Nisods killen mich

Hot take: Ich bin der Überzeugung, dass mit lustigen* Menschen auch immer lustige Chatverläufe entstehen könnten. Wenn sie es wollen würden. Wenn’s aber halt Nisods sind, werden wir es nie erfahren. In meinen Augen eine Tragödie, wieviel Konversations-Potenzial da verpufft.


Von Fee (28): Während Fee sich früher noch Kurzgeschichten über böse Punker ausgedacht hat, schreibt sie heute als Journalistin lieber Texte über die Gefühle ihrer Generation, über gesellschaftliche Missstände und inspirierende Menschen. Manchmal macht sie auch einen Fernsehbeitrag darüber. Ihr Mitbewohner sagt, sie wäre etwas zu vorwitzig und sollte weniger Fragen stellen, aber sie sieht das anders. Immer am Start: Empathie, der Wunsch, mehr von der Welt zu sehen und Hündin Martha.

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